Belgiens Atomausstieg nimmt langsam Gestalt an

10. Februar 2002, 11:47
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Entwurf vorgelegt: die sieben belgischen Atomkraftwerke dürfen maximal 40 Jahre alt werden

Brüssel - Belgiens Regierung hatte nach ihren Amtsantritt im Juni 1999 verkündet, dass sie aus der Atomenergie aussteigen wolle. Der grüne Staatssekretär Olivier Deleuze hat nun, 2,5 Jahre später, seinen Entwurf für ein Atom-Ausstiegsgesetz vorgelegt. Der nur knapp zehn Paragraphen lange Text sieht vor, dass die sieben belgischen Atomkraftwerke maximal 40 Jahre alt werden dürften und daher spätestens zwischen 2014 und 2025 zugesperrt werden müssten, heißt es in der belgischen Tageszeitung "le soir". Neue AKW dürften nicht mehr gebaut werden.

Offen bleibt dabei aber, wie die Kraftwerke ersetzt werden sollen. Sie produzieren derzeit zwischen 55 und 58 Prozent des Stroms, der in Belgien verbraucht wird. Sollte der Strombedarf durch Gaskraftwerke ersetzt werden, gäbe es ein Problem das in Kyoto vereinbarte Ziel einer Verringerung des CO2-Ausstoßes zu erreichen.

Kyoto um- und angerechnet

Dem hält Deleuze entgegen, das der Mehrverbrauch an CO2 von 16 bis 17 Mill. t durch eine bessere Aufteilung der Nachfrage wettgemacht werden könnte. Außerdem würden die Kyoto-Ziele für die Zeit bis 2012 gelten, während das erste AKW erst 2014 geschlossen werden soll. Man habe also noch Zeit, über Alternativen nachzudenken. Weiters habe Schweden schon erreicht, dass der Atomausstieg auf die Kyoto-Ziele angerechnet werde. Schließlich könne Belgien eventuell Emissionsrechte dort zukaufen, wo die in Kyoto vereinbarten Emissions-Reduktionen über-erfüllt wurden.

Der Gesetzesvorschlag soll am 20. Februar in der belgischen Regierung diskutiert werden und könnte dann ins Parlament eingebracht werden. Noch ist aber unklar, ob die anderen Gruppierungen der insgesamt sechs Parteien umfassenden belgischen Regierung dem zustimmen werden.(APA)

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