Paarlauf

15. Februar 2002, 20:05
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Umstrittenes Gold für Bereschnaja/Sicharulidse - Preisrichter entschieden mit 5:4 für Russen und gegen kanadische Weltmeister - Eislaufverband wird Untersuchung einleiten

Salt Lake City - Der olympische Paarlauftitel bleibt in russischem Besitz. Jelena Bereschnaja und Anton Sicharulidse wurden am Montag im ausverkauften Salt Lake Ice Center zum ersten Mal in ihrer Karriere nach einer umstrittenen und hauchdünnen 5:4-Entscheidung gekürt und setzten mit dem elften Olympiasieg en suite in dieser Disziplin die russische (sowjetische) Tradition fort.

Witt spricht von Skandal

Ein Ergebnis, das viele der 15.600 Zuschauer und u.a. auch die zweifache deutsche Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt ("Skandal und Betrug") als falsch bezeichneten, für sie hätten sich die Kanadier Jamie Sale und David Pelletier die Goldmedaille verdient. Die Preisrichter aus Russland, China, Frankreich, Polen und Ukraine setzten sich aber gegen die Vertreter aus den USA, Kanada, Deutschland und Japan durch und bewerteten die Darbietung von Bereschnaja (24) und Sicharulidse (25) etwas höher als die der regierenden Weltmeister.

Untersuchnung eingeleitet

Etwas später verlautbarte der Internationale Eislaufverband ISU, dass es eine Untersuchung im Zusammenhang mit der umstrittenen Finalentscheidung geben würde. Folgendes Statement wurde verlautbart: "Der Reaktion der Öffentlichkeit und der Medien wegen des Resultats im Paarlauf-Bewerb Folge leistend sowie in Respekt zur öffentlichen Meinung leitet die ISU eine Untersuchung ein, um zu prüfen, ob die ISU-Regeln eingehalten wurden."

Viele Kritiker übersehen aber, dass im vergangenen Jahr in Vancouver die Kanadier äußerst glücklich Weltmeister wurden. Bei ihrem Heimspiel wurden Sale/Pelletier gefeiert, die ebenso guten Bereschnaja/Sicharulidse fühlten sich betrogen. Doch wegen der fehlenden Lobby der Russen gab es keine Untersuchung.

"Mit allen Emotionen"

"Wir versuchten mit all unseren Emotionen und Gefühlen zu laufen", sagte Sicharulidse, der mit seiner Partnerin 1998 und 1999 den WM-Titel geholt hatte und im Vorjahr wie auch in Nagano Silber gewonnen hatte. Er patzte zwar leicht beim Doppelaxel, künstlerisch war die Darbietung des russischen Duos zur Musik von Jules Massenet aus der Oper Thais ("Mediation") aber eindrucksvoll.

Pelletier: "Es hätte Gold sein müssen"

Dennoch hatten sich die vom Publikum enthusiastisch gefeierten Jamie Sale und David Pelletier nach ihrer makellosen Interpretation von "Love Story" schon als Olympiasieger gewähnt, die Entscheidung traf sie daher wie ein Preßlufthammer. "Das ist der härteste Tag in meinem Leben", meinte der mit dem Tränen kämpfende Pelletier, "auch wenn ich die Entscheidung akzeptiere". "Aber wenn ich einmal 50 Jahre alt bin und die Medaille zur Hand nehme, dann werde ich noch immer empfinden, dass sie nicht hell genug glänzt. Es hätte Gold sein müssen."

Sturz beim Einlaufen

Besser als an diesem Tag hätten sie einfach nicht laufen können, meinte Jamie Sale, die beim Einlaufen mit Sicharulidse zusammengestoßen und wie der Petersburger gestürzt war. "Ich war zunächst wie gelähmt, hatte auch etwas Bauchschmerzen, aber ich bin eine Kämpferin, sagte mir, das ist heute dein Tag", erzählte die Kanadierin.

Lange Vorgeschichte

Für die Russen war der Olympiasieg allerdings auch eine Art Entschädigung für größere Probleme in der Vergangenheit. Zu Beginn des Winters hatte Jelena ihren Partner mit der Kufe am Arm verletzt, die Europameisterschaft mussten sie wegen einer Knöchelblessur von ihr ausfallen lassen. 1996 war Jelena von einer Kufe ihres damaligen Partners Oleg Sljachow so gefährlich an der Stirn erwischt worden, dass sie wochenlang im Koma lag. Im Jahr 2000 fiel sie wegen einer Dopingsperre (nach der Einnahme eines Mittels gegen Erkältungen) aus.

Medaille für China

Die erste Eiskunstlauf-Olympiamedaille für China schafften Cue Shen und Hongbo Zhao mit Bronze. Sie boten mit einem geworfenen Vierfach-Salchov eine Welt-Neuheit, allerdings stand Shen den Sprung nicht.(APA)

  • Endstand des olympischen Eiskunstlauf-Bewerbs der Paare am Montag in Salt Lake City:

    1. Jelena Bereschnaja/Anton Sicharulidse (RUS) 1,5 Punkte
    2. Jamie Sale/David Pelletier (CAN) 3,0
    3. Xue Shen/Hongho Zhao (CHN) 4,5
    4. Tatjana Totmianina/Maxim Marinin (RUS) 6,0
    5. Kyoko Ina/John Zimmermann (USA) 7,5
    6. Maria Petrowa/Alexej Tichonow (RUS) 9,0
    7. Dorota Zagorska/Mariusz Siudek (POL) 11,0
    8. Katerina Berankova/Otto Dlabola (CZE) 11,5
    9. Qing Pang/Jian Tong (CHN) 14,0
    10. Jacinthe Lariviere/Lenny Faustino (CAN) 16,5

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