Mira Nair übt Kritik am US-Kulturimperialismus

9. Februar 2002, 20:09
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Indische Regisseurin zieht "Bollywood" Hollywood vor

Berlin - Die indische Regisseurin und Vorsitzende der Berlinale-Jury, Mira Nair, wünscht sich, dass US-Filme sich nicht überall auf der Welt durchsetzen. Die so genannten "Bollywood"-Filme aus Indien aber auch deutsche und europäische Filme hätten Besonderheiten, die nicht verloren gehen sollten, sagte sie in Berlin in einem Interview mit Reuters-TV, das am Freitag veröffentlicht wurde.

Die farbenfrohen "Bollywood"-Filme seien sehr extravagant und melodramatisch, sagte Nair, deren neuer Film "Monsoon Wedding" bei einer Sonderaufführung der Berlinale gezeigt wird. "Ich hoffe, dass diese Besonderheiten, dieses Fantastische nicht dadurch verloren geht, weil das der Westen von uns verlangt." Dies gelte auch für das deutsche und europäische Kino. "Nicht, weil das amerikanische Kino nicht interessant wäre: Sondern weil ich wirklich denke, dass die Dynamik einer Kultur von ihren besonderen Ausdrucksformen abhängt - und nicht davon, wie die anderen zu werden."

Indien widersteht Hollywood

Indien sei das einzige Land, das Hollywood widerstehe. Ein US-Film wie "Jurassic Park" habe es dort sehr schwer, auf die Leinwand zu kommen, wenn gleichzeitig große "Bollywood"-Filme laufen: "Das passiert nirgends sonst. Es ist interessant, dass der Kultur-Imperialismus, an den wir uns überall auf der Welt gewöhnt haben, in Indien einfach nicht existiert. Es ändert sich, aber er wird niemals bestimmend sein, weil unser Kino und unsere Zuschauer an unsere eigenen Sachen gewöhnt sind." Sie hoffe auch, dass die Bollywood-Filme sich nicht westlichen Filmen angleichen: "Das wäre sehr schrecklich".

Nairs Komödie "Monsoon Wedding" schildert eine arrangierte indische Hochzeit. Mit dem Film gewann sie vergangenes Jahr als erste Frau einen "Goldenen Löwen" beim Filmfest in Venedig. "Monsoon Wedding" gilt auch als aussichtsreicher Film für eine Oscar-Nominierung in diesem Jahr. Nair war 1988 mit "Salaam Bombay" international bekannt geworden, zu ihren weiteren Kinofilmen gehören "Mississippi Masala" und "Kama Sutra". Am 18. April kommt "Monsoon Wedding" in die deutschen Kinos. Ihr jüngstes Werk "Hysterical Blindness" drehte sie mit Hollywood-Schauspielerin Uma Thurman. (APA/Reuters)

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