Del Ponte: Es geht nicht um Rache

9. Februar 2002, 15:26
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Chefanklägerin hofft auf starke Signalwirkung des Milosevic- Prozesses

Berlin/Den Haag - Die Chefanklägerin im UNO-Kriegsverbrecherprozess gegen Slobodan Milosevic, Carla del Ponte, hat sich gegen den Vorwurf verwahrt, bei dem Verfahren handele es sich um einen "Racheakt" der internationalen Staatengemeinschaft. Der Prozess gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten beginnt an diesem Dienstag vor dem UNO-Tribunal in Den Haag. "In diesem Prozess geht es nicht um Rache und auch nicht um Kollektivschuld. Es geht um die persönliche Verantwortung von Milosevic bei Verbrechen, die er laut Anklage in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und im Kosovo begangen oder angeordnet hat", sagte Del Ponte der deutschen Zeitung "Welt am Sonntag".

Die Bürger von Ex-Jugoslawien und Serbien sollten ebenfalls als die Opfer von Milosevic gesehen werden, sagte die Chefanklägerin weiter. Sie hätten ein Recht darauf, die Wahrheit zu kennen und das ganze Ausmaß der Verbrechen zu erfahren, die in ihrem Namen unter Missbrauch ihres Namens begangen wurden. Nichts könne außerdem rechtfertigen, dass ein Machthaber für solche Verbrechen Immunität genieße; niemand dürfe über dem Gesetz stehen.

Del Ponte betonte, sie verspreche sich von diesem Prozess die Signalwirkung, "dass jedes Individuum - unabhängig von seiner Position, seinem Rang oder seiner Macht - für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Genozid zur Rechenschaft gezogen werden kann".

Gegen den jugoslawischen Ex-Präsidenten wird vor dem Tribunal zunächst wegen Verbrechen im Kosovo-Konflikt verhandelt. Die Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen wurde 1999 erhoben. Vermutlich im Sommer sollen auch die inzwischen ausgearbeiteten Anklagen wegen Verbrechen in Kroatien und insbesondere wegen Völkermords in Bosnien präsentiert werden. (APA/dpa)

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    foto: epa/ olivier matthys
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