Taliban-"Außenminister" stellt sich US-Soldaten

11. Februar 2002, 10:37
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Mullah Abdul Wakil Muttawakil erkennt die neue Regierung in Kabul an und kann im Gegenzug mit Vergünstigungen rechnen - bisher ranghöchster Gefangener

Kabul/Washington - Mit dem früheren "Außenminister" Wakil Ahmed Muttawakil hat sich der bisher ranghöchste Vertreter des gestürzten afghanischen Talibanregimes gestellt. Er wurde am Samstag von US-Offizieren auf dem US-Stützpunkt bei Kandahar vernommen. Der 34-jährige Muttawakil galt als einer der engsten Vertrauten des früheren Talibanführers Mullah Mohammed Omar, aber auch als einer der gemäßigten Vertreter des Regimes.

Muttawakil zeige sich kooperativ und erkenne die neue Regierung in Kabul an, behauptete der Gouverneur von Kandahar, Gul Agha, in der Nacht zum Sonntag. Der frühere Minister könnte deshalb von seinem Verhalten profitieren. Interimsaußenminister Abdullah Abdullah hatte Muttawakil dagegen als Kriegsverbrecher bezeichnet und ein Gerichtsverfahren verlangt. Die Regierung in Kabul entließ unterdessen 270 Talibansoldaten aus dem Gefängnis und händigte jedem Soldaten 500.000 Afghanis aus, umgerechnet 17 US-Dollar. Nach Kämpfen in der ostafghanischen Provinz Paktia sieht sich die Regierung von Premier Hamid Karsai nun auch in der Nachbarprovinz Khost durch rivalisierende Clans herausgefordert. Stammesführer stemmen sich auch dort gegen einen von Kabul berufenen Gouverneur.

Rumsfeld korrigiert

Entgegen der Ankündigung, den in der Genfer Konvention festgelegten Kriegsgefangenenstatus anzuwenden, wollen die USA ihre Gefangenen in der US-Basis Guantánamo auf Kuba künftig nicht anders behandeln als bisher. "Diese Entscheidung hat keinerlei Auswirkung auf ihre Behandlung", sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. (DER STANDARD, Printausgabe,11.2.2002, Reuters)

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