Federn von Zugvögeln verraten Wanderrouten

11. Februar 2002, 20:37
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Ornithologen nutzen Isotopenanalyse

Washington - Mit einer verblüffend einfachen Methode haben US-Ornithologen herausgefunden, warum die Grasmücken im Norden der USA wohl gut gedeihen, im Süden aber ständig zurückgehen: Sie haben einige dieser Zugvögel in ihren Winterquatieren in der Karibik gefangen und ihnen Federn ausgerupft. Diesen kann man mit chemischen Analysen ablesen, wo die Vögel im Sommer in den USA waren.

Das liegt an bestimmten Isotopen etwa von Wasserstoff und Sauerstoff, deren regionale Verteilung in den USA gut bekannt ist. Die Vögel nehmen sie mit Wasser und Futter auf und lagern sie ein. Die neue Methode macht nicht nur den Ornithologen das Leben leichter - bisher konnte man Vogelzüge nur aufwendig über Satelliten oder mühsam mittels Beringung verfolgen -, sie kann bei allen wandernden Tierarten eingesetzt werden, auch bei sehr schwer beobachtbaren wie Insekten.

Bei den Grasmücken zeigten die Federn, dass die aus dem Norden und die aus dem Süden der USA verschiedene Winterquartiere anfliegen. Die nördlichen ziehen nach Kuba und Jamaica, die südlichen bevorzugen die Dominikanische Republik und Haiti. Zu ihrem eigenen Schaden: Diese Inseln sind so entwaldet, dass die Vögel schon geschwächt ihren Rückflug antreten und sich in ihrer Heimat dann geringer reproduzieren. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10. 2. 2002)

Vgl. Science, Vol. 295, S. 1062
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