Die Grafen von Cilli - beinahe Landesfürsten

8. Februar 2002, 21:36
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Im 16. Jhdt. scheiterte ein einheitliches Slowenenland an den feudalen Erbgesetzen: Der letzte Graf von Cilli blieb ohne Sohn.

Das Großherzogtum Kärnten, das 976 vom bayrischen Stammesherzogtum abgetrennt wurde, hatte nicht lange Bestand. Es schloss fast den gesamten Siedlungsraum der Slowenen ein, neben Kärnten unter anderem die Karantanische Mark, später Steiermark genannt, die Mark an der Sann (Saunien) mit Cilli/ Celje als Mittelpunkt, die Mark Krain und die Mark Istrien. Der Markengürtel diente vor allem zur Festigung der Grenze des Heiligen Römischen Reichs gegen Ungarn, Kroatien und das aufstrebende Venedig. Diese Grenzen hatten mehr oder weniger bis ins 20. Jahrhundert Bestand und sicherten so auch eine geschlossene slowenische Sprachgrenze gegen Süden. Im Norden hingegen wurde diese Sprachgrenze durch die im 10. bis 12. Jahrhundert intensive bayrische Kolonisation allmählich verschoben. Das große Kärnten zerfiel bald in zahlreiche weltliche und geistliche feudale Herrschaftsgebiete. Die Karantanische Mark, nach Übernahme durch die Traungauer Grafen nach deren Stammsitz Steyr Steiermark genannt, die im Süden weit in slowenisches Gebiet reichte, wurde 1180 Herzogtum. Sie fiel dann an die österreichischen Babenberger und nach dem Zwischenspiel der Zugehörigkeit zum Reich Przemysl Otakars II. an die Habsburger. Das Kärntner Kernland wurde 1335 zusammen mit dem Herzogtum Krain österreichisch, Triest 1382 und Görz im Jahr 1500.

Das Geschlecht der Herren von Sanneck, aus niedrigem steirischem Adel, wurde von Kaiser Ludwig dem Bayern 1351 mit der Grafschaft Cilli belehnt, wohl ein Schachzug gegen die habsburgische Hausmachtpolitik im steirisch-kärntnerischen Gebiet. Der Luxemburger Sigismund schenkte ihnen als ungarischer König die Stadt Varasdin und wurde daraufhin von empörten ungarischen Baronen gefangen gesetzt. Interventionen Hermanns von Cilli befreiten ihn, und der spätere Kaiser heiratete dessen Tochter Barbara. 1436 erhob er die Cillier, die inzwischen auch Gebiete in Kärnten geerbt hatten, in den Reichsfürstenstand. Ihre nun reichsunmittelbare, also nur dem Kaiser (und nicht mehr den steirischen Habsburgern) unterstehende Herrschaft war weitgehend von Slowenen bewohnt, mit dem angrenzenden kroatischen Besitz hätte sich die Chance für einen eigenständigen Feudalstaat ergeben.

Der Konflikt mit den nun die Kaiserwürde übernehmenden Habsburgern konnte nicht ausbleiben. Zunächst musste sich Ulrich von Cilli, Hermanns Enkel, zu einem Vertrag mit Kaiser Friedrich III. bequemen, der bestimmte, dass seine Grafschaft im Falle des Aussterbens seiner Linie an die Habsburger übergehen sollte. 1465 wurde Ulrich von ungarischen Adeligen ermordet, und da er ohne männliche Erben war, fielen seine Besitzungen an die Habsburger. Die Slowenen haben dennoch der schicksalhaft gebremsten möglichen Entwicklung zu einem von ihrem Volkstum getragenen mittelalterlichen Feudalstaat ein Denkmal gesetzt: Die drei Sterne auf blauem Grund im Staatswappen der Republik stammen aus dem Wappen der Cillier.

Das slowenische Element in den habsburgischen Ländern blieb im Mittelalter und in der frühen Neuzeit im Wesentlichen auf untere soziale, politisch machtlose Schichten beschränkt, also in erster Linie auf die den deutschen weltlichen und geistlichen Grundherren untertänigen Bauern.

Bezeichnenderweise waren die ersten in slowenischer Sprache gedruckten Worte (1515) eine Wiedergabe der Kampfschreie aufständischer Bauern. Allerdings waren die Bauernaufstände am Beginn der Neuzeit keine nationalen Erhebungen der Slowenen gegen die deutsche Oberschicht, wie an den ziemlich gleichzeitig ausbrechenden Unruhen in südwest- und mitteldeutschen Gebieten, in Tirol und schließlich in Niederösterreich abzulesen ist. Sie waren ein Protest der Bauern gegen die Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen und rechtlichen Lage. In den südöstlichen Grenzgebieten kam noch hinzu, dass sich die Bevölkerung zu wenig geschützt sah gegen die Verheerungen durch die zunehmenden Türkeneinfälle.

Im Jahre 1478 schlossen die Bauern Unterkärntens, Slowenen und Deutsche, in Vassach bei Villach einen Bund (das slowenische "punt" bekam die Bedeutung "Aufstand"). Sie forderten von den Grundherren eine Rücknahme der infolge der Geldentwertung stark gestiegenen Zinse und zeigten sich bereit, dies gewaltsam zu erzwingen. Da traf die Bauernschaft ein fürchterliches Unglück: Die Türken fielen über den Predil ein, massakrierten die Bauernrotten und verwüsteten ganze Landstriche, insbesondere das Rosental. Der Adel gab das als "Gottesgericht" aus und hatte nach dem Abzug der Türken nichts Eiligeres zu tun, als die Rädelsführer des Aufstandes hinzurichten.

Weit größeren Umfang nahm der Aufruhr des "Windischen Bundschuh" (nach diesem bäuerlichen Kleidungsstück nannten sich die Bauernbünde jener Zeit) im Jahr 1515 an. Die Bauern verlangten die "stara prava", die "alte Gerechtigkeit". Die Grundherren sollten sich mit den seit alters in den Urbaren verzeichneten Abgaben zufrieden geben und nicht immer wieder neue dazu erfinden. Der Aufstand nahm in der deutschen Sprachinsel Gottschee seinen Ausgang und erfasste bald das gesamte Herzogtum Krain. Im Mai 1515 begannen die Bauern an vielen Orten, die Burgen zu überfallen und zu schleifen. Nach ersten Erfolgen erfasste der Aufstand auch Unterkärnten und die Südsteiermark, auch die Hüttenberger Knappen und die Bürger einzelner Städte schlossen sich an.

Kaiser Maximilian I. hatte zunächst versucht, die Lage durch gewisse Verbesserungen für die Bauern zu beruhigen. Er führte gerade Krieg gegen Venedig und wollte ein befriedetes Hinterland. Doch die Adelsherren waren strikt gegen solche Nachgiebigkeit. Nun wurde gegen die Bauern militärische Macht eingesetzt. Unter dem Oberkommando von Georg von Herberstein wurden die Bauernhaufen, die "puntarji", zunächst in Kärnten und der Steiermark, dann auch in Krain auseinander getrieben. Die Anführer, soweit sie nicht nach Venedig entkamen, wurden hingerichtet. Die materielle Belastung der Bauern war nun noch stärker als vor diesem "Windischen Bauernkrieg": Die Abgaben wurden durch eine Strafsteuer, "puntarski davek", erhöht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10. 2. 2002)

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