Murdoch setzt Kirch unter Druck

8. Februar 2002, 20:45
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Bemühung um nationale Rettungslösung - Konzern droht Aufteilung - WAZ-Gruppe an Kirchs Springer-Anteilen interessiert

Der australoamerikanische Medienunternehmer Rupert Murdoch setzt die deutsche Kirch-Gruppe massiv unter Druck. Murdoch fordert die Auszahlung seines Anteils am Pay-TV-Sender Premiere. Damit müsste die hoch verschuldete Kirch-Gruppe im Oktober für den Rückkauf des 22-Prozent-Anteils 1,6 Milliarden Euro (22 Milliarden Schilling) zahlen. Er wisse nicht, wie diese Beziehung weitergeführt werden solle, ohne noch mehr Geld hineinzustecken, meint Murdoch. Dazu sei er aber nicht bereit.

Drohgebärde ...

Dies wurde in der Medienbranche allgemein als Drohgebärde aufgefasst, da sich für Murdoch aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten der Kirch-Gruppe die Chance ergibt, endlich auf dem deutschen Medienmarkt im großen Stil Fuß zu fassen. Bisher ist Murdoch neben Premiere nur an den kleineren Sendern Vox und TM3 beteiligt. Er könnte zumindest Teile des Münchner Konzerns übernehmen.

"Nationalen Rettungslösung"

Unterdessen liefen die Bemühungen, eine "nationalen Rettungslösung" für Kirch zustandezubringen, um den drohenden Ausverkauf eines deutschen Medienunternehmens an einen ausländischen Investor wie Murdoch zu verhindern, weiter. Bundeskanzler Gerhard Schröder ist, wie berichtet, darin eingebunden, aber "kein Akteur", beteuerte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye am Freitag. Falls Murdoch einen Einstieg anstrebe, könne dies nicht verhindert werden, räumte der Regierungssprecher ein: "Es gibt keine rechtliche Möglichkeit, das zu vermeiden."

Axel-Springer-Verlag könnte von einer entsprechenden Verkaufsoption Gebrauch machen

Die Kirch-Gruppe, zu der neben Premiere auch die Fernsehender ProSieben, Sat.1, Kabel 1, N24 und DSF gehören, ist mit rund sechs Milliarden Euro verschuldet und muss in den nächsten Monaten mehrere Großkredite zurückzahlen. Außerdem muss Kirch möglicherweise mehr als eine Dreiviertelmilliarde Euro für Anteile an der Senderfamilie ProSiebenSat.1 aufbringen, weil der Axel-Springer-Verlag von einer entsprechenden Verkaufsoption an Kirch Gebrauch machen will, die im April fällig wird.

Aufsplittung Senderfamilie ProSiebenSat.1

Bei einem Gespräch Schröders mit den Vorsitzenden von Banken und den Spitzen der Medienkonzerne Bertelsmann und WAZ soll eine grundsätzliche Übereinkunft getroffen worden sein, dass die Senderfamilie ProSiebenSat.1 an verschiedene Interessenten verkauft werde. Die Banken wollten auf einen Teil ihrer Forderungen an Kirch verzichten. Für den 40-prozentige Anteil der Kirch-Gruppe am Springer-Verlag, der unter anderem Bild und Welt herausgibt, hat die in Österreich bei Krone und Kurier engagierte WAZ Interesse angemeldet. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 9./10. Februar 2002)

STANDARD-Korrespondentin Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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