Frauen vor Priesterinnenweihe

12. Februar 2002, 14:10
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Unterschiedliche Berichte zur "Tatstrafe nach Kirchenrecht": Römisch-katholischer und/oder altkatholischer Bischof bereit zur Weihe?

Wien/München - Der altkatholische Bischof Peter Hickman aus dem US-Staat Kalifornien will die umstrittene Priesterweihe von rund 30 Frauen aus Österreich und Deutschland vornehmen. Das berichtet das deutsche Nachrichtenmagazin "Focus" laut Vorausmeldung in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. "Das ist für mich eine Frage der Menschenrechte", wird Hickman zitiert. Die Katholikinnen bereiten sich in einem Kloster in der Erzdiözese Salzburg auf die Priesterweihe vor, die im Sommer an einem geheimen Ort stattfinden soll.

Exkommunikation als Konsequenz

Im Fall ihrer Weihe durch Hickman müssen die Frauen allerdings mit ihrer Exkommunikation rechnen. "Dies tritt automatisch ein, wenn man sich von einer anderen Kirche weihen lässt", bestätigte ein Sprecher des Wiener Erzbischofs Kardinal Christoph Schönborn am Freitag. Da es sich in so einem Fall um eine "Tatstrafe nach Kirchenrecht" handle, brauche es zur Exkommunikation keines weiteren Formalaktes, betonte der Sprecher.

Frauenordination in altkatholischer Kirche

Die Erzdiözese München hatte am Dienstag darauf hingewiesen, dass eine "Priesterweihe" von Frauen in der römisch-katholischen Kirche nicht nur unerlaubt, sondern auch ungültig ist. Der Pressesprecher der Erzdiözese, Winfried Röhmel, verwies in diesem Zusammenhang auf Kanon 1024 des kirchlichen Gesetzbuches (CIC), in dem es wörtlich heißt: "Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann". Dies entspreche nach katholischer Auffassung der apostolischen Tradition.

Die altkatholischen Bischöfe stehen in der apostolischen Sukzession. Die Altkatholiken hatten sich von Rom getrennt, nachdem auf dem Ersten Vatikanischen Konzil 1870 unter Pius IX. die Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen beschlossen worden war. Die Internationale Altkatholische Bischofskonferenz der Utrechter Union hatte in der Frage der Priesterweihe für Frauen einen Kompromiss beschlossen. Die Orts- und Nationalkirchen sollen selbstständig entscheiden, ob sie Frauen zum priesterlichen Dienst zulassen. Die altkatholische Kirche Österreichs praktiziert die Frauenordination.

Hickman sei kein Altkatholik

Ein Sprecher des altkatholischen Bistums in Deutschland wies am Freitagabend in Stuttgart den "Focus"-Bericht zurück. Peter Hickman sei weder ein altkatholischer Bischof, noch vertrete er eine altkatholische Kirche. Man betrachte ihn als einen Geistlichen, dessen Weihe nicht ordnungsgemäß stattgefunden habe. Das Ansinnen der Katholikinnen, sich von einer solchen Person weihen zu lassen, schade ihrem eigenen Anliegen und zeige, dass sie dabei wesentliche Grundsätze des theologischen Kirchenverständnisses außer Acht ließen, sagte der altkatholische Sprecher.

Römisch-katholischer Bischof bereit zur Weihe?

Indes berichtet das "Volksblatt" in seiner Montag-Ausgabe, ein römisch-katholischer Bischof habe von sich aus angeboten, rund zehn deutschen und österreichischen Frauen, die sich zu Priesterinnen weihen lassen wollen, das Weihesakrament zu spenden. Die Zeitung beruft sich dabei auf die Linzer "Weihekandidatin" Christine Mayr-Lumetzberger. Name wird in dem Artikel keiner genannt, dieser soll vorerst geheim bleiben. Der Bischof habe aber zugesagt, im Zuge der Priesterinnenweihe an die Öffentlichkeit zu treten, so Mayr-Lumetzberger.
(APA)

Nachlesen:
Frauenpriesterweihe als "schweres Vergehen"
Positionen zum Thema aus Österreich
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