Widerstand aus Ländern

9. Februar 2002, 11:13
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Oberösterreich versuchte in letzter Sekunde, den neuen Linzer ORF-Direktor zu verhindern - vergeblich

Um 23 Uhr musste Donnerstagnacht noch die oberösterreichische Landesregierung zusammentreten, nur Stunden vor dem ORF-Stiftungsrat Freitagfrüh. Thema: Monika Lindners Vorschlag für den neuen Chef des Landesstudios in Linz. Denn der Generalin Kandidat Helmut Obermayr, bisher Religionschef im Radio, ist langjähriger Freund von Landeshauptmann Josef Pühringer.

Widerspruch zur nötigen "Äquidistanz"

Im Widerspruch zur nötigen "Äquidistanz" gegenüber allen Parteien steht das für die SPÖ. Gemeinsam mit der FPÖ schaffte sie eine Mehrheit in der Landesregierung, Obermayr "abzulehnen". Viel bewirkte das nicht: Das ORF-Gesetz räumt dem jeweiligen Landeshauptmann ein "Anhörungsrecht" bei der Bestellung des Landesdirektors ein. Der Stiftungsrat ließ sich von dem Regierungsbeschluss nicht weiter beirren und wählte Obermayr wie die übrigen acht Vorschläge Lindners für die Landesstudios.

Darunter auch Hubert Nowak, bisher "ZiB"-Planungschef, für Salzburg, ebenfalls mit Misstönen: Der bisherige Amtsinhaber Friedrich Urban sah sich als "politisches Opfer", der Redakteursrat der ORF-Dependance darob "die Unabhängigkeit ernsthaft in Gefahr". Nach internen Informationen wollte Urban allerdings keine volle Amtszeit mehr durchdienen.

Einzige Gegenstimme: Wolfgang Zinggl von den Grünen

Der Stiftungsrat segnete alle neun Landesintendanten gemeinsam mit nur einer Gegenstimme ab: Wolfgang Zinggl, von den Grünen in das Gremium entsandt. Ebenfalls mit 34 gegen seine Stimme bestellt wurde das Direktorium für die ORF-Zentrale.

Technischer und Online-Direktor werden im März gewählt

Die Verhandlungen mit Managern etwa von Siemens für die Technische Direktion scheiterten - DER STANDARD berichtete - zuletzt an Gehaltsvorstellungen. Den "Rahmen" dafür, so Lindner, legt der Finanzausschuss des Stiftungsrates erst Ende Februar fest. Technik- und - entgegen bisherigen Informationen auch schon - Onlinedirektor sollen nun am 12. März gewählt werden. Der Onlinejob könnte ein Zugeständnis an die bescheiden vertretenen Freiheitlichen werden - kolportiert wird ein Manager aus der "FP-nahen Industrie".

Was kostete Lindner die breite Zustimmung zu ihrem Personalpaket politisch? "Viel Geduld, viele Gespräche, viel Überzeugungsarbeit und eine gewisse Standfestigkeit allen gegenüber"; nicht aber Konzessionen, beteuerte sie.

Draxler: ORF sei kein "willfähriges Instrument

Der neue Infodirektor Gerhard Draxler betonte in einer ersten Stellungnahme, die ORF-Information sei "keine Kampforganisation gegen irgendeine Partei, Interessenorganisation oder gar Einzelperson" - aber ebensowenig deren "willfähriges Instrument". (fid/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 9./10. Jänner 2002)

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