Flüche aus der Euro-Schlange

8. Februar 2002, 19:39
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Kundenansturm, aber zu wenige Valutenwechsler in der Nationalbank in Wien

Wien/Innsbruck/St. Pölten - Als Donnerstag um 11.15 Uhr der Rollbalken fiel, hatte er schon eine halbe Stunde in den Beinen. 30 Minuten in einer "hundert Leute langen" Warteschlange vor zwei geöffneten Schaltern der Wiener Nationalbank. Die bis 31. 3. 2002 Altvaluten aus Eurostaaten spesenfrei in Euro tauscht, während andere Banken 1,5 Prozent der Wechselsumme abziehen.

"Und da tönt's lautstark ,Mahlzeit!' durch die Halle. Einer der Schalterbeamten ist auf Mittagspause gegangen", erzählt ein empörter STANDARD-Leser. Die Folge: Aufruhr, Flüche, Handy-Protestanrufe bei der OeNB-Zentrale: "Den Leuten hat's gereicht." Letztendlich, sagt der Mann, habe er eine Stunde und zehn Minuten in der Schlange verbracht - eine Situation wie in diesen Tagen mehrfach: "Meine Tochter verlängert grad' den Parkschein", teilte Freitag gegen elf Uhr OeNB-Schlangesteherin Susanne Strohmeier mit.

Ärger und Hoffnung

Wolfgang Weber, verantwortlicher Bereichsleiter der Firma Geldservice Austria, reagiert mit Selbstkritik. "Wir haben ein internes Problem", gibt er zu. Durch Urlaube könne man nur zwei Kassen geöffnet halten "und länger als sechs Stunden in Folge darf kein Beamter arbeiten". Webers Ärger: "Die Leute beschimpfen uns persönlich." Seine Überlegung: "Wir hätten von vornherein eine Mittagspause einführen sollen." Seine Hoffnung: "In ein paar Wochen ist eh alles vorbei."

Besser für Anstürme gerüstet ist man in der Innsbrucker OeNB-Zweigstelle. Wegen der Urlaubszeit werde man sicher auch noch in den kommenden beiden Wochen zwei Valutenkassen geöffnet halten, meint Direktor Günther Federer. Insgesamt herrsche "ein Auf und Ab". "An manchen Tagen wechseln bis zu 300 Leute ihre Valuten, an anderen Tagen nur 150."

Wie es im Augenblick aussieht? "Einen Moment bitte", entfernt sich Federer vom Telefon, um einen Blick in die Überwachungskamera zu werfen, "drei Kunden sind gerade da, also kein Ansturm".

Absolute Ruhe hingegen herrscht in der St. Pöltner OeNB-Niederlassung. Wegen der Nähe zu Wien hat man sich dazu entschlossen, keine Valuten zu wechseln. Allfällige Kunden werden weitergewiesen. An die Nationalbank in Wien. (bri, fern/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.2.2002)

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