Schröder baut Vorsprung zu Stoiber aus

8. Februar 2002, 18:25
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Grüne erstmals unter fünf Prozent - Gewinne für SPD und FDP

Mainz - Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hat in der Wählergunst gegenüber seinem Herausforderer Edmund Stoiber wieder deutlich zugelegt. Für seine rot-grüne Bundesregierung gäbe es dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer zufolge aber keine Mehrheit mehr. Die Grünen kämen erstmals seit 1990 nicht über die Fünf-Prozent-Hürde. Die Parteilinke forderte daraufhin mehr Listenplätze. Das um einen Prozentpunkt verbesserte Ergebnis der FDP wertete Parteichef Guido Westerwelle als Bestätigung der "Strategie 18".

Laut ZDF entschieden sich 52 Prozent der Bürger auf die Frage, "Wen hätten Sie lieber als Bundeskanzler?" für den Amtsinhaber und SPD-Vorsitzenden Schröder. Bei der letzten Umfrage vor zwei Wochen waren es noch 48 Prozent. Vier Punkte verlor dagegen der Unionskandidat Stoiber, der auf 39 Prozent kam.

"Augenblickseindruck"

Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, projizierten die Demoskopen für die Grünen ein Ergebnis von vier Prozent, ein Punkt schlechter als zuletzt. Die SPD gewann mit 39 Prozent einen Punkt hinzu, ebenso viel wie die FDP, die acht Prozent erreichte. Die Union lag unverändert bei 40 Prozent, die PDS und die anderen Parteien blieben bei sechs und drei Prozent. Damit wären sowohl eine sozialliberale Regierung aus SPD und FDP als auch eine unionsgeführte aus CDU/CSU und Liberalen möglich.

Die Grünen-Politiker Astrid Rothe und Hans-Christian Ströbele erklärten, die Umfrage sei "ein Augenblickseindruck und keine Trendwende". Die Partei sollte sie als Signal nehmen, die unterschiedlichen Flügel zusammenzubringen. Linke und Kriegsgegner sollten deshalb bei den Landeslisten für den Bundestag stärker berücksichtigt werden. Ströbele, der der Parteilinken zugerechnet wird, hatte im Januar seinen Berliner Listenplatz verloren.

Joschka Fischer wichtigster Politiker

FDP-Chef Westerwelle erklärte, die Umfrage-Werte seien eine vorzügliche Ausgangslage für seine Strategie, 18 Prozent bei der Bundestagswahl zu erreichen. Man habe 2001 auch einen Rekordzulauf an Mitgliedern verzeichnet. Westerwelle betonte, dass er ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf gehe.

Auf der Skala der zehn wichtigsten Politiker rangiert Außenminister Joschka Fischer von den Grünen nach wie vor auf dem ersten Platz vor Schröder. Die CDU-Chefin Angela Merkel liegt auf Platz drei, während ihr Bezwinger im Rennen um die Kanzlerkandidatur, CSU-Chef Stoiber, von Wolfgang Schäuble von Platz vier auf fünf verdrängt wurde.

Das Politbarometer wird im Auftrag des ZDF alle zwei Wochen von der Forschungsgruppe Wahlen erstellt. Das Mannheimer Institut befragte zwischen dem 4. und dem 7. Februar 1.027 Personen.

In der ebenfalls am Freitag veröffentlichten "MDR-Sonntagsfrage" ermittelte das Bonner Dimap-Institut dagegen gegenüber der Vorwoche unveränderte Werte für SPD und Grüne sowie Union und FDP. Die Sozialdemokraten erreichten demnach 36, die Grünen bleiben mit sechs Prozent diesseits der Fünf-Prozent-Hürde. Union und FDP verharren bei 41 und acht Prozent. Lediglich die PDS verschlechterte sich von sieben auf sechs Prozent. Die vom MDR in Auftrag gegebene Umfrage richtete sich an 1.100 Personen. (APA/AP)

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