"Des is' net das meine, das Feine"

11. Februar 2002, 08:56
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Roman Freihsl machte sich beim Opernball auf die Suche nach Feinheiten - auf der Herrentoilette

Wien - "Na, den Opernball gut überstanden", fragt Freitagmittag der Fleischhauer seine Kundin, während er die Wurstsemmeln füllt. Sie, nahezu empört: "Na! I geh' net zum Opernball. Des is' net das meine, des Feine." - "Na, so fein is' er auch wieder net", meint ein anderer Kunde.

Auf der Feststiege jedenfalls - das war nicht die feine Art. Die alljährliche Remplerei und Flegelei hinter der Absperrung. Dazu Kommentare wie: "Heast, so schiache Polizistinnen hob i no nie in mein' Leben g'seh'n." - "Bist blind auf die Augen?"

Dann der Fernsehkommentar zur "Opernballrose". Christoph Wagner-Trenkwitz schwärmt von der "robusten Opernballrose in zarten Debütantinnenhänden" und zitiert dazu aus dem Pressetext, in dem vom "starken Stiel" die Schreibe ist. Karl Hohenlohe: "Entschuldige, aber wovon sprichst du jetzt?"

Das war fein.

"Adieu" zum Abschied

Der Eröffnungsabschied von Robert Hysek: "Alles Walzer. Viel Vergnügen - und Adieu." Die feine Art der Elmayer-Schule, wo Hysek jahrelang gelehrt hatte. "Alles Walzer" sagt im nächsten Jahr Thomas Schäfer-Elmayer - bei dessen Amtsantritt hatte Hysek seine Tanzlehrertätigkeit beim Elmayer beendet.

Dann die feinen Zwischentöne aus den Logengängen. Als etwa Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer entlangschritt und ihr nachgeraunt wurde: "Ah, die Regierung bewegt sich."

Als Richard Lugner mit Claudia Cardinale zu späterer Stunde im Festsaal tanzte: "Macht die Grimassen?" - "Na, die is' so oft geliftet, die schaut immer so." Das war wohl auch nicht die feine Klinge. Und dann noch der allgemeine Ballkommentar: "Das is' ja die jährliche Schabracken-Lüftungsaktion." Da wurde das Posieren der ehemaligen Skistars Franz Klammer, Werner Grissmann und Hansi Hinterseer schon feinsinniger kommentiert: "Do schau her - die zwei Tenöre und a Blondine."

Der Schwimmer-Orden

Ordentliche Orden gehören natürlich auch dazu. "Do schau, der is' von dir", begrüßt etwa ein Gast Bürgermeister Michel Häupl. Der putzt gleich die von ihm verliehene Auszeichnung mit dem Ellenbogen seines Fracks. Sturm- Präsident Hannes Kartnig erläuterte hingegen, was so alles an seinem Frack hängt: "Das da is' ein Rettungsschwimmerabzeichen. Und das eine Auszeichnung als Bezirksmeister im Kegeln. Ich hab' mir gedacht, da tragen so viele Orden, da kann ich nicht ohne kommen."

Und wo war sie wirklich, die feine Gesellschaft des Landes? Zum Beispiel zu fort 5. Spalte geschrittener Stunde auf der Herrentoilette hinter dem Marmorsaal. Ein Paar hat sich verirrt und wird durch den Waschraum neben dem Pissoir gelotst. Sie kichert verlegen. Ein händewaschender Befrackter schaut auf: "Willkommen." Draußen stellt dann der Verirrte seine noch ziemlich verwirrte Begleiterin einem Bekannten vor: "Die Prinzessin ist wirklich eine meiner besten Freundinnen."

Nach 3.30 Uhr rüsten sich dann auch Verteidigungsminister Herbert Scheibner und Finanzminister Karl-Heinz Grasser als zwei der letzten Repräsentanten zum Aufbruch. Grasser plaudert noch ein bisserl, als seine Lebensgefährtin zum Blumenschmuck geht: "Jetzt darf man ja schon." Und pflückt drei Rosen aus der Blumensäule. Eine feine Röte überzieht das Gesicht des Finanzministers. Und dann haucht er noch "Wahnsinn. Wenn das jemand sieht" zum Abschied.

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