Westenthaler "erholt sich vom Opernball"

8. Februar 2002, 19:25
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FP-Generalsekretär Schweitzer glaubt, dass der Klubobmann "am Montag wieder da ist" - Die Gerüchte reißen indes nicht ab

Wien - Er geht nicht ans Telefon. Er kommentiert Gerüchte über seine angeblichen Rücktrittsabsichten nicht: Peter Westenthaler ist seit zwei Tagen auf Tauchstation. Was von manchen als Amtsmüdigkeit oder schwerer Konflikt mit Jörg Haider interpretiert wird, ist für FPÖ-Generalsekretär Karl Schweitzer nur Blödsinn: "Selbstverständlich ist Westenthaler noch Klubobmann. Er war nur Mittwoch auf der FPÖ-Klausur und Donnerstag ausgelassen auf dem Opernball und erholt sich."

Die Pause werde aber nur kurz sein, versichert Schweitzer im STANDARD-Gespräch: "So ein junger Bursche wie der Westenthaler muss die Energie haben, dass er, auch wenn’s härter hergeht, nach einer zweitägigen Pause am Montag wieder da ist." Als subtile Aufforderung an Westenthaler, wegen der Unstimmigkeiten mit Haider um den ORF nicht den Hut zu werfen, will Schweitzer das nicht verstanden wissen: "Unstimmigkeiten gab es nicht. Wie in jeder Partei wird auch bei uns diskutiert, wir sind ja keine gleichgeschaltete Partei."

ORF-Deal komplett verbockt?

Andere Teilnehmer der FPÖ-Klausur wissen sehr wohl von Unstimmigkeiten zu berichten: In Sachen ORF sollen sich Haider und Westenthaler in die Haare geraten sein, zudem wird dem Klubchef parteiintern vorgeworfen, mit unangemessener Kraftmeierei den ORF-Deal "komplett verbockt" zu haben, worauf Parteichefin Susanne Riess-Passer höchstpersönlich die Medienagenden an sich gezogen hat. Haider wiederum soll Westenthaler unmissverständlich bedeutet haben, wo dessen Grenzen sind und dass sein Job als Klubobmann nach dieser Legislaturperiode Geschichte sein könnte, worauf Westenthaler wieder einmal alles hinschmeißen wollte.

Westenthalers jüngste Provokation in Richtung Haider, als er dem Landeshauptmann vorschlug, doch seinen Job als Klubchef zu übernehmen, erinnerte manche FPÖ-Altvordere an den Abgang Norbert Gugerbauers.

Achatz: Kein Köpferollen

Alles nur Gerüchte, meint etwa Hans Achatz, FPÖ-Chef in Oberösterreich zum STANDARD: "Ein Köpferollen gibt es bei uns nicht. Ich sehe keine Grund, warum Westenthaler abgelöst werden sollte."

Andere wiederum wissen von einem anderen, neuen alten, Konflikt zu berichten: dem zwischen Haider und Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Haider wolle den Steuerreform-Bremser Grasser isolieren und ihn auch in der Öffentlichkeit unter Beschuss nehmen. Westenthaler und Riess Passer wollen zwar ebenfalls die Steuerreform, diese aber behutsam und etappenweise durchführen und vor allem Grasser nicht öffentlich desavouieren.

Für Riess-Passer wird das Lavieren zwischen Grasser und dem Druck aus Kärnten zusehends schwerer. Haider soll Riess-Passer schon nahe gelegt haben, den Parteivorsitz abzugeben und sich ganz auf die Regierungsarbeit zu konzentrieren. Papperlapp, meint Generalsekretär Peter Sichrovsky. Wahr sei: Es gebe in der FPÖ "keine Turbulenzen". (eli, mon, mue, stein, DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.2.2002)

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