Umschulung für 1000 Grazer Autobauer

8. Februar 2002, 17:48
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Magna: Erst 2003 neuer Arbeitskräftebedarf bei Eurostar - Übernahme des Werkes von DaimlerChrysler bis Mitte Februar

Wien/Graz - "Es ist immer dramatisch für die Belegschaft, mit Sack und Maus verkauft zu werden", sagte der Gesamtbetriebsratschefs der DaimlerChrysler AG, Erich Klemm, Mitte Dezember in Stuttgart zur Stimmung im Grazer Eurostar-Werk.

Mehr als zwei Monate verhandelt DaimlerChrysler bereits mit Frank Stronachs Autozulieferkonzern Magna über einen Verkauf des Standortes. Bis Mitte Februar will Magna die Übernahme des Werkes mit 1900 Beschäftigten unter Dach und Fach bringen, sagte Herfried Teschl, Sprecher der zur Magna gehörenden Grazer Steyr-Fahrzeugtechnik (SFT).

Für 1000 Beschäftigte hat Magna dann keine Verwendung mehr - zumindest ab Juli 2002 für rund neun Monate - bis im 2. Quartal 2003 die Fertigung des neuen BMW X3 in den Vollbetrieb geht.

Arbeitsstiftung

In der Zwischenzeit, sagte VP-Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl, kommen die nicht benötigten Eurostar-Mitarbeiter in eine Arbeitsstiftung, die seit längerem dem gesamten steirischen Automobilcluster offen steht. Die Hälfte der Umschulungskosten tragen die jeweiligen Betriebe, die andere Hälfte teilen sich der Bund und das Land Steiermark.

Pro Stiftungsteilnehmer werden in Graz je nach Qualifizierungsmaßnahme Kosten zwischen 5000 und 7000 Euro angesetzt. Die Betroffenen selbst erhalten vom Arbeitsmarktservice Steiermark im Durchschnitt rund 872 Euro oder 12.000 S an Schulungsarbeitslosengeld im Monat.

Cruiser aus Mexiko

Nötig wurde die Maßnahme durch den Abzug der PT-Cruiser-Produktion aus Graz - wegen mangelnden Markterfolgs. Obwohl erst im Sommer 2001 mit Investitionen von 58 Mio. € (798 Mio. S) gestartet, verlegt DaimlerChrysler die Fertigung nach Toluca in Mexiko. Im Grazer Werk verbleibt bis zum lukrativen BMW-Folgeauftrag lediglich die Produktion des Chrysler-Minivans Voyager, wo rund 900 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Magna-Konzernsprecher Andreas Rudas sagte zum Standard: "Gerade weil wir eine große Verantwortung für die Region haben, haben wir kein eigenes Werk für die X3- Produktion auf die Beine gestellt, sondern wollen das Eurostar-Werk übernehmen. DaimlerChrysler hätte Eurostar ansonsten wohl zur Gänze zugesperrt. Wir brauchen längerfristig die Kapazität."

Sozialpläne

Neben der Stiftungsmaßnahme des Landes verhandelt DaimlerChrysler direkt mit der Eurostar-Belegschaftsvertretung über entsprechende Sozialpläne. Auch innerhalb des Magna-Konzerns werden den Eurostar-Mitarbeitern Jobs an anderen Standorten wie Gleisdorf, Ilz, Lannach oder Weiz angeboten, um die Kosten für die Stiftung nicht ausufern zu lassen.

Im Eurostar-Werk wurden 2001 rund 57.000 Fahrzeuge hergestellt. Der Umsatz lag bei 1,15 Mrd. Euro (15,8 Mrd. S) (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 9.2.2002)

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