Schreiben im Widerstand und Exil

8. Februar 2002, 14:23
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Alfredo Bauer und Fritz Kalmar erhalten zweiten Theodor-Kramer-Preis

Wien - Der in diesem Jahr zum zweiten Mal vergebene Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und Exil geht heuer zu gleichen Teilen an Alfredo Bauer (Buenos Aires) und Fritz Kalmar (Montevideo). Das teilte die Theodor-Kramer-Gesellschaft in einer Aussendung mit. Der Preis ist - mit Unterstützung des Landes Niederösterreich und der Kunstsektion des Bundeskanzleramtes - mit 7.280 Euro (100.000 S) dotiert und wird am 26. April in der ehemaligen Minoritenkirche Krems verliehen.

Alfredo Bauer

Alfredo Bauer, geboren am 14.11.1924 in Wien, flüchtete 1939 mit seinen Eltern nach Argentinien. Er etablierte sich als Gynäkologe in Buenos Aires und trat seit 1944 als Journalist ("Argentinisches Tagblatt") und mit über 30 Publikationen als Reiseschriftsteller, Übersetzer (Brecht, Heine, Soyfer) und Essayist an die Öffentlichkeit. Bauer schrieb Romane, Erzählungen und Dramen auf Deutsch und Spanisch. Die meisten davon sind in Argentinien oder in der ehemaligen DDR erschienen, darunter mehrere Bände der insgesamt vierteiligen Geschichte einer Wiener jüdischen Bürgerfamilie von 1848 bis 1938, "Los companeros antepasados". Zuletzt arbeitete Bauer an einem Buch über Benito Mussolini. Er lebt in Buenos Aires und ist bis Ende Mai 2002 Gast im Künstleratelier des Unabhängigen Literaturhauses NÖ in Krems.

Fritz Kalmar

Fritz Kalmar, geboren am 13.12.1911 in Wien, studierte in Wien Jus und war bis 1938 als Rechtsanwaltsanwärter tätig. 1939 gelang ihm die Flucht nach Bolivien, wo er in La Paz Mitbegründer und später Präsident der "Federación de Austríacos Libres en Bolivia" wurde. Er verfasste nicht nur zahlreiche Theaterstücke (1977 wurde "Im Schatten des Turmes" am Wiener Volkstheater uraufgeführt) und Sketches, sondern schrieb auch als Veranstalter von Theaterabenden in La Paz und Montevideo und als Amateurschauspieler die Geschichte des deutschsprachigen Exiltheaters in Südamerika wesentlich mit. Bis 1990 war Kalmar ehrenamtlicher österreichischer Honorar-Generalkonsul in Uruguay und unterstützte in dieser Eigenschaft politisch verfolgte Bürger Uruguays. Trotz vieler Veröffentlichungen gelang ihm der literarische Durchbruch erst mit dem Band "Das Herz europaschwer" (1997). Fritz Kalmar lebt in Montevideo.

Verleihung

Beide Autoren sind in letzter Zeit mit Buchpublikationen hervorgetreten. So erschien von Bauer 1993 der Stefan Zweig-Roman "Der Mann von gestern und die Welt", 1996 die Sammlung von Chroniken "Hexenprozeß in Tucumán" (1996) und 1997 "Geliebteste Tochter", der "Lebensroman" der Marie Louise von Habsburg. Kalmar brachte nach "Das Herz europaschwer" (1997) den Roman "Das Wunder von Büttelsburg" (1999) und den Erzählband "Von lauten und leisen Leuten" (2001) heraus.

Die Preisverleihung am 26. April findet im Anschluss an die Eröffnung der Ausstellung "Widerstand & Exil" über in der NS-Zeit verfolgte und diskriminierte AutorInnen aus Niederösterreich im Unabhängigen Literaturhaus NÖ statt. In diesem Rahmen wird auch die Neuausgabe von Bruno Heiligs Buch "Menschen am Kreuz" (Bibliothek der Provinz) präsentiert.(APA)

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