Ärzte fordern Zurückhaltung bei Raucherentwöhnungs- Mittel Zyban

11. Februar 2002, 13:35
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Deutsche Fachleute: Kritische Abwägung vor Verschreibung notwendig

Berlin - Angesichts fünf registrierter Todesfälle im Zusammenhang mit dem Raucherentwöhnungsmittels Zyban haben Ärzte gefordert, den Einsatz des Medikaments kritisch abzuwägen. "Bei der Therapie mit Zyban kann es zu schweren allergischen Reaktionen sowie zu Nebenwirkungen des zentralen und peripheren Nervensystems kommen", sagte Prof. Knut-Olaf Haustein, Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und Experte für Nikotinentwöhnung, am Freitag in Berlin. Auch hätten diese Patienten in der Regel ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Tod durch Herzinfarkt.

Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und die Arzneimittelkommission betonten, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Zyban und den Todesfällen nicht gesichert sei. Die Todesfälle seien im zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme von Zyban aufgetreten. Die Pille mit dem Wirkstoff Bupropion ist seit dem Jahr 2000 als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Raucherentwöhnung zugelassen.

Ein Jahr später wurden die Warnhinweise auf den Beipackzetteln verschärft: Menschen mit Krampfanfällen sollten mit einer niedrigeren Dosis als der ursprünglich empfohlenen beginnen. Das Risiko für das Auftreten eines Krampfanfalls in Verbindung mit Zyban liegt nach Firmenangabenbei 1 zu 1.000 (0,1 Prozent). Wie die Herstellerfirma Glaxo Wellcome - ein Unternehmen der GlaxoSmithKline-Gruppe - mitteilte wurde Zyban bis Mitte 2001 weltweit von mehr als fünf Millionen und in Deutschland von etwa 280.000 Menschen eingenommen.

Nebenwirkungen

Zu den Nebenwirkungen, vor denen jetzt die deutsche Arzneimittelkommission warnte, zählen schwere Depressionen, Selbstmorde, psychotische Reaktionen, Krampfanfälle, Zittern und Schlaflosigkeit. Die Gefahr sei bei Patienten mit entsprechenden Vorerkrankungen und Begleitmedikationen höher. Eine größere Zahl von Todesfällen werde auch aus anderen Ländern berichtet.

Das BfArM forderte unterdessen die europäische Zulassungsbehörde auf, das Nutzen-Risiko-Profil von Zyban neu zu bewerten. Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission, Bruno Müller-Oerlinghausen, sagte: "Es gibt in Form von Nikotinpräparaten therapeutische Alternativen mit einem besseren Sicherheitsprofil und ebenfalls gesicherter Wirksamkeit."

Befragungen zufolge wollen rund 70 Prozent der Nikotin-Abhängigen mit dem Rauchen aufhören, etwa 40 Prozent versuchen es jährlich. Die Tabakabhängigkeit wird Prognosen zufolge in wenigen Jahrzehnten die häufigste Krankheits- und Todesursache weltweit sein. Das Rauchen schädigt Lungen und Blutgefäße und erhöht das Risiko für Lungenerkrankungen, Lungenkrebs, Durchblutungsstörungen und Infarkte.

In Großbritannien hatten Behörden bis 10. Jänner dieses Jahres 57 Todesfälle im Zusammenhang mit Zyban registriert. (APA)

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