Italien: Schmiergeldskandal erregt Aufsehen

8. Februar 2002, 13:59
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Berlusconis Parteizentrale durchsucht - Ermittlungen zu falschen Mitgliedschaften von "Forza Italia"

Rom - Ein Krankenhausdirektor aus Turin soll nach Informationen der italienischen Justizbehörden mit Schmiergeldern gefälschte Mitgliedschaften der Partei von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi finanziert haben. Die italienische Finanzpolizei durchsuchte am Donnerstagabend die Zentrale der "Forza Italia" in Rom, wie ein Polizeisprecher am Freitag erklärte.

Auslöser der jüngsten Ermittlungen war der Fall des Turiner Krankenhausdirektors Luigi Odasso. Dieser war bereits am 19. Dezember unter dem Verdacht festgenommen worden, Schmiergelder von Lieferanten kassiert zu haben. In den Jahren 1999 bis 2000 soll er damit 1600 falsche Mitgliedschaften von Forza Italia finanziert haben, die nur auf dem Papier bestanden.

Ein Krankenpfleger hatten den Fall mit seiner Zeugenaussage ins Rollen gebracht. Er und seine Ehefrau hatten Mitgliedsausweise der Forza Italia erhalten, ohne jemals eine Mitgliedschaft beantragt oder Beiträge gezahlt zu haben. Eine erste Durchsuchung der Parteizentrale in Turin ergab, dass der Mann tatsächlich dort als ordentliches Mitglied registriert war. Das Geld für die Pseudo-Mitgliedschaft soll von Odasso gezahlt worden sein.

Der Schmiergeldskandal um das Krankenhaus in Turin erregte in Italien einiges Aufsehen. Der Direktor des Krankenhauses, das mit 5000 Angestellten zu den größten Italiens gehört, hatte den Ermittlungen zufolge seit Jahren von Lieferanten medizinischer Geräte und anderer Dienstleistungen Aufschläge von bis zu zehn Prozent des Lieferwerts kassiert. Odessa wurde auf frischer Tat ertappt, als eine Verkäuferin von Dialysegeräten ihm einen Geldumschlag mit mehr als 7000 Euro (96.322 S) übergab. Wieviel Schmiergeld Odessa insgesamt kassierte, konnte bisher nicht geklärt werden. (APA)

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