Ringier bläst Frey-Übernahme ab

8. Februar 2002, 14:29
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Jean Frey AG geht an swissfirst Bank - Bisheriger TV-Chefredakteur Leutenegger Geschäftsführer

Die renommierte Schweizer Wochenzeitung "Weltwoche" wechselt den Besitzer. Die Basler Mediengruppe BMG verkauft die Jean Frey AG, die den prominenten Titel hält, allerdings nicht an das Zürcher Medienhaus Ringier, sondern an die Investment- und Privatbank swissfirst Bank AG. Geschäftsführer wird Filippo Leutenegger, bis vor kurzem Chefredakteur des deutschsprachigen Schweizer Fernsehens.

Aktien werden an zehn bis 20 Schweizer Anleger weitervermittelt

swissfirst will den Verlag aber nicht selbst behalten, wie ihr Geschäftsführer Thomas Matter am Freitag mitteilte. Die Aktien werden bis Ende März an zehn bis 20 Schweizer Anleger - Private und Unternehmen - weitervermittelt. 80 Prozent sind bereits platziert. 15 Prozent des Aktienkapitals sind reserviert für Mitarbeiter, die Beteiligungen erwerben wollen. Die verschiedenen bisherigen Druckverträge bleiben in Basel. Von einem Arbeitsplatzabbau ist bisher nichts bekannt.

Bisheriger TV-Chefredakteur Leutenegger Geschäftsführer

Der neue Geschäftsführer Leutenegger, Anfang Februar als TV-Chefredakteur ausgebootet (etat.at berichtete), erklärte, das Angebot an ihn sei "relativ kurzfristig" gekommen. Wie es mit den Jean-Frey-Produkten weitergehe, werde sich nun zeigen. "Es sind alles Perlen und teils eigentliche Institutionen", sagte Leutenegger. Ihr Weiterbestand sei deshalb von großem Interesse. Dies sei jedoch nur in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen möglich. Er sehe durchaus Möglichkeiten zu Kosteneinsparungen oder Mehreinnahmen. Publizistisch werde man jedenfalls unabhängig bleiben. Den für die "Weltwoche" vorgesehenen Relaunch will Leutenegger nochmals genau analysieren. Die Wochenzeitung ist laut swissfirst die einzige "Verlustquelle" des Verlags.

Transaktionsvolumen bis zu 74,8 Millionen Euro

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Ganz im Dunkeln liegt er aber nicht: Das Transaktionsvolumen liegt insgesamt zwischen 90 und 110 Mill. Franken (bis zu 74,8 Mill. Euro/1 Mrd. S). Darin inbegriffen sei der eigentliche (geheime) Kaufpreis und die vorgesehene Kapitalerhöhung von 20 bis 30 Mill. Franken. Vier bis sechs Prozent des gesamten Transaktionsvolumens streicht die swissfirst als Gewinn ein. Noch ist der Handel allerdings nicht perfekt: Es fehlt noch eine Unbedenklichkeitserklärung der Wettbewerbskommission.

Verhandlungen mit Ringier endgültig abgebrochen

Eigentlich war vorgesehen, dass Ringier die Jean Frey AG übernehmen sollte. Am 27.Dezember 2001 wurde ein Vorvertrag abgeschlossen. Am Donnerstag (7. Februar) brach nun aber die BMG die Verhandlungen endgültig ab. Der Vorvertrag sei damit hinfällig geworden, sagte Matthias Hagemann, Verwaltungsratspräsident der BMG. Es sei dabei nicht um den Preis gegangen. Ringier habe die Verhandlungen verschleppt, habe etwa trotz dringender Mahnung seitens der Basler die Wettbewerbskommission nicht eingeschaltet. Der Verwaltungsrat sei deshalb "sehr besorgt" gewesen und habe die Entstehung größerer Schäden befürchtet. Den Vorwurf seitens Ringier, die BMG habe die Vereinbarungen des Vorvertrags verletzt und heimlich Verhandlungen mit einem anderen Partner geführt, wies Hagemann zurück. (APA/sda)

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