Spezielle FSME-Impfung für Erwachsene und Kinder

8. Februar 2002, 13:50
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Wirksamkeit und Unbedenklichkeit müssen klar belegt sein

Wien - In diesem Jahr werden sich die Österreicher jeweils mit speziell für Erwachsene bzw. Kinder entwickelten Impfstoffen gegen die gefährliche "Zeckenkrankheit" schützen können. Dem entsprechend groß sind Nervosität und/oder Erwartungen bei Experten und Herstellern.

Die Ausgangslage: Immerhin gab es in Österreich vergangenes Jahr 54 FSME-Erkrankungen, die in Spitälern behandelt werden mussten. "Dazu kamen noch drei als FSME diagnostizierte Infektionen, die wegen ihres milden Verlaufs nur ambulant behandelt wurden, und zwei in Österreich hospitalisierte FSME-Patienten, die sich aber in Ungarn bzw. Deutschland infiziert hatten", fasste der Chef des Instituts für Virologie der Universität Wien, Univ.-Prof. Dr. Franz X. Heinz, vor wenigen Tagen die Situation zusammen.

Der Leiter der Abteilung für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Universität Wien, Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, stellte zur Ausgangslage in diesem Jahr am Freitag fest: "Fakt ist, dass beide Impfstoffe gut und gut verträglich sind." Es seien zwar gewisse Unterschiede da, die wären aber "am Verschwimmen."

Studie: Labordaten sprechen für Humanalbumin

Da die FSME-Vakzine beider Hersteller von den österreichischen Behörden das Zulassungsverfahren laut Arzneimittelgesetz passiert haben, müssen Wirksamkeit und Unbedenklichkeit klar belegt sein. Doch die Crux gerade bei Impfstoffen, die ja als Wirksubstanzen biologische Substanzen (Antigene) enthalten: Hundertprozentig kann man über allfällige Nebenwirkungen - bei Vakzinen am ehesten Rötungen an der Stichstelle oder kurze Fieberzacken - Aussagen erst bei der realen Anwendung an Hunderttausenden bis Millionen Menschen treffen. Rare Nebeneffekte entgehen, allein wegen der statistischen Wahrscheinlichkeit, manchmal den Wissenschaftern in klinischen Studien, weil sie einfach zu selten sind.

Doch Diskussionen gibt es trotzdem: Vergangenes Jahr veröffentlichte der Grazer Hygieniker Univ.-Prof. DDr. Egon Marth eine Studie mit Laborversuchen, die er im Anschluss an die "TicoVac"-Probleme durchgeführt hatte. "Albumin ist ein für FSME-Vakzin notwendiger Stabilisator, um Fieber bei Kindern nach der Impfung zu verhindern", lautete der Titel der im November vergangenen Jahres im angesehenen Fachjournal "Vaccine" publizierten Arbeit.

Was man auf Seiten von Staatssekretär Reinhart Waneck unbedingt vermeiden will: Schaden für die FSME-Impfung. Die wird nämlich - egal von welchen Fachleuten - für Österreich insgesamt als oberste Priorität eingeschätzt. Zu hoffen ist, dass sich auch dieses Jahr möglichst viele Menschen gegen die "Zeckenkrankheit impfen lassen und die Zahl der Erkrankungen noch einmal drastisch gesenkt werden kann. (APA)

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