Amsterdamer Großausstellung soll die Massen locken

8. Februar 2002, 13:29
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400.000 Besucher zu "Van Gogh & Gauguin" erwartet

Amsterdam - Eine Erzählung in Gemälden soll die Ausstellung "Van Gogh & Gauguin" sein, die am Samstag (9.2.) im Van Gogh-Museum in Amsterdam beginnt. In etwa 120 Gemälden, Skulpturen und Briefen von Vincent van Gogh (1853-1890) und Paul Gauguin (1848-1903) wird der produktive Dialog deutlich, den beide Künstler Ende 1888 bei der gemeinsamen Arbeit im südfranzösischen Städtchen Arles führten. Zu der Ausstellung, die bis zum 2. Juni dauert, werden 400.000 Besucher erwartet. Im Art Institute von Chicago hatten sich bis zum 13. Jänner 690.000 Besucher für die Ausstellung interessiert.

Die neun Wochen, in denen die beiden Künstler seinerzeit in van Goghs engem "Atelier des Südens" gemeinsam arbeiteten, haben nach Ansicht des Amsterdamer Museumschefs John Leighton größere Bedeutung, als man bisher wahrhaben wollte. "Sie stehen im Zentrum der Entwicklung zur modernen Kunst", meint er. Und für die beiden "Väter der Moderne" stellten sie einen Wendepunkt ihres Schaffens dar.

Exponate

Neben vielen sehr populären Werken beider Maler stehen drei Versionen der "Sonnenblumen"-Bilder und drei Porträts der "Madame Roulin (La Berceuse)" von van Gogh im Zentrum der Präsentation. Die Stillleben vor gelbem Hintergrund, die im Besitz der Londoner Nationalgalerie, des Amsterdamer Van Gogh-Museums und des Yasuda-Museums in Tokio sind, wurden noch nie zusammen gezeigt.

Zweifel an der Echtheit der Version, die Yasuda 1987 für 39,9 Millionen US-Dollar bei Christie's ersteigert hatte, sind nach Überzeugung Amsterdamer Experten nicht gerechtfertigt. Auch dieses Werk sei von van Gogh gemalt worden, stellen sie in einem neuen Gutachten zu der Ausstellung fest. Dafür gebe es genug Beweise. Vor allem die Farben, die Malweise und die als Leinwand verwendete Jute, die auch als Bildträger für andere in Arles entstandene Gemälde diente, machten dies deutlich. Eine Fälschung durch einen späteren Maler sei auszuschließen, erklären sie.

Zwei dieser Sonnenblumen-Bilder sollten zusammen mit einer Darstellung der "Kinderfrau" Madame Roulin ein Tryptichon bilden, schrieb Vincent van Gogh damals an seinen Bruder Theo. Der Plan wurde jedoch nicht verwirklicht. Das erste der drei gezeigten Porträts wurde erst nach dem dramatischen Zusammenbruch van Goghs vollendet. Als sich der Maler am 23. Dezember 1888 in Verzweiflung einen Teil eines Ohres abschnitt, flüchtete Gauguin aus Arles und beendete die Zusammenarbeit.

Leihgaben

Von den in Amsterdam gezeigten Werken stammen 20 aus eigenem Bestand, der Rest kommt von 65 Leihgebern aus aller Welt. Um den erwarteten Besucherstrom steuern zu können, verkauft das Museum bereits seit letztem Jahr Karten nur für bestimmte Tage und Uhrzeiten. An der Tageskasse sei jeweils eine begrenzte Anzahl Karten erhältlich. Vom 7. bis zum 9. März wollen Experten aus aller Welt bei einem Symposium in Amsterdam den derzeitigen Stand der Forschung über Leben und Arbeit der beiden Maler erörtern. (APA/dpa)

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