"Haider arbeitet an seinem Comeback"

8. Februar 2002, 10:22
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Analyse der jüngsten Aktivitäten des FPÖ-Altparteichefs

Washington - In einem ausführlichen Bericht befasst sich die US-amerikanische Tageszeitung "New York Times" (Donnerstagsausgabe) mit den Perspektiven von FPÖ-Altparteichef Jörg Haider in der österreichischen Politik. Unter dem Titel "Österreichischer Rechter arbeitet an seinem Comeback" werden dessen jüngste Aktivitäten wie das Temelin-Volksbegehren, die Forderung nach Aufhebung der Benes-Dekrete durch Tschechien, und die "herabwürdigenden" Äußerungen über Ariel Muzicant und der Ausgang des Rechtsstreits dargestellt. Der Kärntner Landeshauptmann wolle offenbar seine in letzter Zeit gesunkenen Umfragewerte vor den nächsten Wahlen wieder in die Höhe treiben und politisches Profil gewinnen, schreibt die "NYT".

Kein Interview von Riess-Passer

FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer habe der "NYT" auf Anfrage kein Interview gegeben, so die Zeitung. Dafür wurden Journalisten, Meinungsforscher Peter Ulram, und Haider-Gegner Doron Rabinovici über ihre Einschätzung von Haiders Perspektiven befragt. "Haider ist kein Neo-Nazi, sondern ein Post-Nazi", so der Historiker Rabinovici. Derzeit befinde sich der FPÖ-Politiker in einer echten Krise, weil er "Regierung und Opposition zur gleichen Zeit" betreibe. Europa bewege sich nach rechts, und Haider sei noch nicht an seinem Ziel angelangt.

"Ein bisschen psychotisch"

Anneliese Rohrer von der Tageszeitung "Die Presse" sieht Haider noch immer als einen ehrgeizigen Politiker, der seine Ambitionen auf das Amt des Bundeskanzlers noch nicht aufgegeben habe. "Er ist ein bisschen psychotisch, aber clever", wird Rohrer in der "NYT" zitiert. Haider zeige falsche Entwicklungen auf und übertreibe sie dann, seine Aussagen hätten aber einen wahren Kern. Wenn Haider eine richtige "Angst-Kampagne" führe, könne er die ihm (auf die SPÖ) derzeit fehlenden sieben Prozent bei den nächsten Wahlen erreichen, erwartet Rohrer. Anders schätzt dies der Meinungsforscher Ulram ein. "Haiders Kraft nimmt ab", meint Ulram, da der Ex-FPÖ-Chef von der Unzufriedenheit der Menschen lebe und diese negative Stimmung immer weniger vorherrsche.

Wiedermobilisierung möglich

Doch auch Herbert Lackner vom Wochenmagazin "profil" sieht die Möglichkeit, dass Haider in einer Krise seine verlorenen Anhänger wieder mobilisieren kann. Auch eine europäische Karriere des FPÖ-Politikers im Zusammenhang mit der von ihm propagierten Anti-EU-Erweiterungs-Stimmung sei nicht auszuschließen. "Haider sieht Europa als sein Spielfeld", analysiert Lackner. "Er schafft eine sehr unangenehme Atmosphäre, und es kostet viel Zeit dagegen anzukämpfen", meint Kunsthistoriker Dieter Bogner. (APA)

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