Ötzi und die Nicht-Professoren

8. Februar 2002, 14:03
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Opernball 2002: Warten auf "Arnie", Bundespräsident Klestil kam mit Gattin Margot protokollgemäß um 20.45 Uhr - "Den Hysek" macht künftig der Elmayer

Wien - "Oh, oh, oh" riefen die schaulustigen Festgäste entlang der Hauptstiege in der Oper - es galt Claudia Cardinale, von den Lugners als Stargast zum diesjährigen Opernball gebeten. Kurz davor entfuhr den Mündern der Ruf "der Haider, der Haider, der Haider". Der Kärntner Landeshauptmann kam, lächelte und sagte "servas, grüß’ Di". Ein Kameramann quittierte es mit "den hamma schön".

"Wer macht im nächsten Jahr den Hysek?"

Bei der Tuschlerei in den Gängen ging es aber eigentlich schon um den Opernball 2003: "Wer macht im nächsten Jahr den Hysek?" Wer also verkündet nach dem Abgang von Robert Hysek das "Alles Walzer"? Opernintern lautete die geschmunzelte Antwort vorerst "Na der Herr Direktor - wer den sonst?"

Bis dann von ebendiesem, Ioan Holender nämlich, die erlösende Ansage kam: "Nach dem Abschied von Herrn Professor Hysek..." - jener: "Kein Professor. Ein ganz bescheidener Volksschullehrer." Holender: "Also der Nachfolger wird der Herr Professor Elmayer sein, der auch kein Professor ist. Und der Herr Professor Mühlsiehl, der ebenfalls kein Professor ist. Also das 'Alles Walzer' spricht im nächsten Jahr der Herr Nicht-Professor Elmayer."

Weiter im Programm ...

Das wäre also geklärt - weiter im Programm: Bundespräsident Thomas Klestil kam mit Gattin Margot protokollgemäß pünktlich um 20.45 Uhr in die Oper - begleitet von der finnischen Präsidentin Tarja Halonen und dem slowakischen Präsidenten Rudolf Schuster. Halonen versprach ihr Möglichstes beim Walzertanzen zu tun, Schuster gratulierte Österreich zur Ausrichtung einer derartigen Veranstaltung. Der Ball und die Musik seien zwar nicht schlechthin das Wahrzeichen Österreichs, bemerkte dazu Klestil, aber immerhin würde der Ball weltweit nachgemacht.

"Do schau her, der Ötzi mit’n weißen Kappl", hieß es danach noch in der Bewundererschar. Der Popstar hatte Glitzersteinchen auf seiner Kopfbedeckung und auf der Feststiege den früheren RTL-Chef Helmut Thoma neben sich. Nicht zu vergessen: Thomas Gottschalk kam auch.

Dinieren im Sacher

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Frau fanden sich ein, ebenso Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer und Verteidigungsminister Herbert Scheibner - und der Einzug der Künstler begann, mit Neujahrskonzert-Dirigent Seiji Ozawa und Ballorganisatorin Elisabeth Gürtler an der Spitze. In Gürtlers Sacher hatten zuvor Klestil und seine Gäste diniert.

Eine Ballnacht für Tausende - Fasching auch für viele weitere aktive und gewesene Politiker und zahlreiche wichtige Wirtschaftstreibende. Der slowenische Außenminister Dimitrij Rupel zu Gast bei seiner österreichischen Amtskollegin Benita Ferrero-Waldner. Franz Vranitzky erstmals nicht in einer eigenen Loge - sondern in jener von Frank Stronach.

Am Ball auch weitere Wirtschafts-Kapazunder wie unter anderen der Coca-Cola-Weltchef Douglas Daft oder Anthony J. Trahar, der Chief Executive Officer des südafrikanischen Mischkonzerns Anglo American - einer der weltweit größten Betreiber von Diamanten-, Gold-, Kohle- und Platinminen sowie auch Mehrheitsaktionär der österreichischen Frantschach/Neusiedler-Gruppe. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.2.2002)

Von Roman Freihsl
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