Topinambur und Co.

29. März 2006, 11:52
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Längst schienen sie vergessen. Aber Topinambur und Co. sind viel zu wertvoll, um sie vom Speiseplan zu verdrängen. Schließlich haben sie noch ganz andere Werte

Vor 200 Jahren gehörten Topinambur (Foto), Schwarzwurzel und Pastinake noch zu den Grundnahrungsmitteln. Die Kartoffel jedoch verdrängte diese delikaten Gemüsesorten fast völlig. Das könnte am eigenwilligen Geschmack von Pastinake und Co. liegen oder einfach am Zeitgeist. Denn auch das Gemüse ist der Mode unterworfen. Langsam aber sicher kommen die scheinbar vergessenen Gemüsesorten aus dem Dunkel des Vergessens wieder ans Licht – und das ist gut so. Denn sie sind ausgesprochen vitaminreich, besonders pflegeleicht und gut an unser Klima angepasst.

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die viel lieber Blumen als Gemüse pflanzen, dann versuchen Sie es mal mit Schwarzwurzel und seinen Freunden. Denn hier haben Sie beides in einem! Wenn Sie nicht alles ernten, kommen Sie im nächsten Jahr in den Genuss duftiger Blüten.

Die goldgelben Blüten der Schwarzwurzel zum Beispiel duften nach Schokolade, die Haferwurzel trägt auf hohen Stängeln fliederfarbene Blüten, die sich von denen der Schwarzwurzel, mit der sie verwandt ist, nur durch die Farbe unterscheiden. Die duftig weißen Schleierkrautblüten der Erdkastanie lockern bunte Sommerbuketts auf, die Pastinake trägt leuchtend gelbe Doldenblüten, und Topinambur schmückt sich mit ähnlichen Blüten wie seine Schwester, die Sonnenblume. Nützlicher Nebeneffekt: Ungefüllte Blüten locken Insekten in den Garten, die für die Bestäubung von Obst und Gemüse sorgen. Bei Schwebfliegen und Florfliegen sind die Doldenblüten der Pastinake besonders beliebt, deren Larven nützliche Blattlaufvertilger sind. Davon könnten sogar Ihre Rosen profitieren.

Leckeres aus dem Untergrund Die alte Kulturpflanze "Pastinaca sativa" war schon in der bronzezeitlichen Pfahlbau-Kultur bekannt. Die Wildform finden wir noch immer an Wegrändern und in Fettwiesen. Die weißen Wurzeln schmecken wie eine Mischung aus Petersilienwurzel und Karotte. Unglaublich lecker sind zum Beispiel in Öl frittierte Pastinakenchips! Eine weitere Delikatesse ist der Knollenziest. Das köstliche Artischockenaroma macht einen einfachen Feldsalat zu einer feinen Vorspeise. Die Schwarzwurzel dagegen gilt als der Spargel des Winters. Die fleischige Wurzel ist mit einer dunkelbraunen, färbenden Korkschicht bedeckt. Am besten schälen Sie sie mit Gummihandschuhen und legen sie sofort in Zitronen- oder Essigwasser, damit sie sich nicht verfärbt.

Die Haferwurzel ist die weiße Schwester der Schwarzwurzel. Wegen ihres speziellen Geschmacks wird sie von den Engländern auch Austernpflanze genannt. Sie wird wie die Schwarzwurzel gedünstet. Topinambur erinnert im Geschmack an Schwarzwurzeln und Artischocken. Das Delikatess-Gemüse wird wegen seines hohen Inulingehalts auch Diabetikerkartoffel genannt.

Die nur haselnussgroßen Knöllchen der Erdkastanie haben einen kastanienähnlichen Geschmack. In Deutschland kommt sie verwildert aus alten Kulturen noch vor. Sie sind roh, gekocht oder in der Pfanne geröstet ein kleine Knabberspaß nebenbei.

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    Topinambur

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