Eistanzen nur als "Dame und Herr"

7. Februar 2002, 22:57
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Wiener Eislaufverein achtet auf Moral - laut Betriebsordnung

Wien - Gut geht es bekanntlich jenen, die sich aufs Eis trauen, um zu tanzen. Auf dem Platz des Wiener Eislaufvereins etwa, in der Mitte. Dort üben mehrmals pro Woche mutige Paare gleitende Gleichschritte, während außenrum Anfänger und Normalverbraucher ihre Runden zuckeln.

Auch den Wiener Rechtsanwalt und Kämpfer für schwul-lesbische Gleichstellung, Helmut Graupner, hatte es an diesen Ort des Sports verschlagen, gemeinsam mit einem Freund. Doch schon beim Eintrittskartenkauf kam er sich wie der sprichwörtliche Esel vor: Steht in der bei der Kassa angeschlagenen Betriebsordnung doch zu lesen: "Das Tanzen in den Tanzkreisen ist nur paarweise (Dame und Herr) gestattet."

Tänzerverstoßung

"Das ist antiquiert" und gelte auf dem Platz dennoch als Recht, ärgert sich Graupner nun. Sogar Strafen seien vorgesehen: "Zuwiderhandlungen werden mit Abmahnung . . . und Platzverweis geahndet", heißt es in der Betriebsordnung weiter unten. Zwar sei ihm kein konkreter Fall gleichgeschlechtlicher Tänzerverstoßung bekannt, erzählt Graupner dem STANDARD, doch: "Hier zeigt sich, wie notwendig ein Antidiskriminierungsgesetz wäre."

"Die Betriebsordnung stammt aus lang vergangenen Zeiten", reagiert Farzam Rossoukhi vom Wiener Eislaufverein auf die Einwände. Konkret habe man "im Jahr 1930 das damalige Theatergesetz abgeschrieben" und die Dinge seither so belassen. Doch - wie so oft in Wien - wo eine Regel, dort auch eine Ausnahme: "Natürlich dürfen bei uns zwei Frauen oder zwei Männer eistanzen." Pläne, die Betriebsordnung umzuformulieren, seien ihm keine bekannt, "das scheint unnötig". (Irene Brickner, DER STANDARD Print-Ausgabe 8.Februar 2002)

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