Wolf kam, fraß und wurde erschossen

7. Februar 2002, 22:39
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WWF fordert Untersuchung dieses "Irrtums"

Linz - Ein Wolf ist tot. Erschossen in Oberösterreich an der Landesgrenze zur Steiermark. Was für Aufregung sorgt. Wölfe haben in Österreich nämlich ganzjährig Schonzeit. Der Jäger, der ihn erlegt hat, spricht von einem Versehen. Die Tierschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) verlangt eine genaue Untersuchung durch die Behörden. Es werde bereits ermittelt, stellte dazu am Donnerstag der zuständige Bezirkshauptmann von Gmunden, Edgar Hörzing, fest.

Bei dem Schützen handelt es sich um einen Berufsjäger. Er fand bei der Wildfütterung den Kadaver einer Hirschkuh. Das Tier war gerissen worden. Von Wölfen im Salzkammergut habe er vorher niemals gehört. Deshalb habe er auch geglaubt, ein wildernder Hund treibe dort sein Unwesen, erzählt Manfred Hopfer aus Grundlsee. Er rechnete jedenfalls damit, dass der Täter zum Tatort zurückkehren würde und legte sich auf die Lauer. Tatsächlich tauchte nachts ein Tier auf - schwaches Mondlicht, undeutliche Silhouette, ein Schuss.

Als der Jäger seine Beute besichtigte, stellte er den Irrtum fest: ein Wolf mit 50 Kilo Lebendgewicht. Also ging er zur Gendarmerie und erstattete Selbstanzeige, denn er wisse, dass Wölfe in Österreich ganzjährig geschont würden, doch dürfe man auch "Rehe und Hirsche nicht vergessen".

Der nun tote Wolf dürfte sich nur etwa zwei Tage lang im Rettenbachtal aufgehalten haben. Wahrscheinlich war er aus Slowenien zugewandert, durch Kärntner sowie steirisches Unterholz und Wälder. Deren Dichte und zahlreiches Wild mache "Österreich zu einem idealen Ansiedlungsgebiet für Wölfe, weil sie hier genug Beute finden", betont Monika Mörth vom WWF.

Tiere vermehren sich

Eine Wiederansiedlung des Wolfes nach seinem Aussterben in unseren Breitengraden im Jahr 1882 sei, so Mörth, durchaus möglich. Nähmen doch die Wolfspopulationen in Slowenien, in Tschechien und der Slowakei zahlenmäßig zu. Die Frage sei nur, ob die Menschen - insbesondere Landwirte und Jäger - die Einwanderung zuließen. Das jedoch scheint fraglich.

Auch der vorletzte 1996 im oberösterreichischen Rohrbach gesichtete Wolf endete vor einer Flinte und seit dem Abschuss vor zwei Wochen wird im Chat der Oberösterreichischen Rundschau rege diskutiert: "Ich bin kein Jäger, sondern Bauer. Was ist, wenn solch ein Tier im Sommer Lämmer reißt? Ist das dann besser? Also für mich ist ganz klar: Den Wolf zu beseitigen war richtig", tat da etwa Siegfried Höglinger kund. (bri, DER STANDARD Print-Ausgabe 8.Februar 2002)

Mehr Informationen bei www.wild.unizh.ch/wolf

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