Genpatente behindern Medizin

7. Februar 2002, 20:42
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Parallelforschung wird eingestellt - Wissenschaftsjournal "Nature" steigt in Debatte ein

London - Genpatente können Medizin und Forschung behindern. Das zeigen US-Forscher an einem Patent auf mutierte Gene, die Haemochromatose verursachen, eine unter Nordeuropäern und ihren in die USA ausgewanderten Verwandten häufige erbliche Störung des Eisenhaushalts.

Seit 1996 sind die Mutationen bekannt, seitdem wurden in den USA von vielen Labors Gentests entwickelt und ausgeführt. Aber 1998 hat sich eine Firma ein Testverfahren auf die Mutationen patentieren lassen, dazu auch gleich eines auf die mutierten Gene. Seitdem hat fast ein Drittel der Labors das Testen eingestellt, denn die Lizenzgebühren sind hoch und gelten auch für selbst entwickelte Tests, weil die Gene patentiert sind. Auch Forscher müssen bezahlen - weniger - und kommen generell wegen des um sich greifenden Patentierens langsamer voran, weil viele Ergebnisse von der Publikation zurückgehalten werden, bis die Patente erteilt sind.

Das Problem ist nicht neu, und Forscher sind auch schon gegen Patente angetreten: Vor dem europäischen Patentamt wird ein Musterfall um Gene ausgefochten, die für Brustkrebs anfällig machen. Über diesen und andere Fälle wird auch in den großen Wissenschaftsjournalen berichtet. Neu ist nun, dass eines von ihnen, Nature, sich mit der breiten Publikation des Haemochromatose-Falles in Kommentarform selbst in die Debatte einschaltet. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 2. 2002)

Vgl. "Nature", Vol. 415, S. 577
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