Briten fürchten Masernepidemie

8. Februar 2002, 11:02
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Vertrauen in Dreifachimpfstoff sinkt - Zusammenhang mit Autismus und schweren chronischen Darmerkrankungen bei Kindern?

London - In Großbritannien herrscht Angst vor einer Masernepidemie. Mit acht neuen Fällen am Mittwoch war die Gesamtzahl der erkrankten Kinder allein in London auf elf gestiegen, Donnerstag wurden weitere 18 Kinder mit Verdacht auf Masern in Spitäler eingeliefert. Außerhalb Londons sind bereits mehr als 20 Fälle aufgetaucht.

Der Grund: Immer weniger Eltern lassen ihre Kinder mit der auch in Österreich verwendeten Dreifachimpfung "Mumps-Masern-Röteln" immunisieren, weil sie schwere Nebenwirkungen befürchten. Und die Depots von Einzelimpfstoffen gegen Masern sind bereits leer gespritzt.

Bedenkliche Wirkung

Britische Forscher hatten die Befürchtung geäußert, es gebe einen Zusammenhang zwischen der Dreifachimpfung und Autismus sowie schweren chronischen Darmerkrankungen bei Kindern. Immer mehr Eltern verzichteten darauf auf dieses Form der Immunisierung. Auf den Inseln liegt die Durchimpfungsrate laut The Times vom Donnerstag bei 84 Prozent, in London sogar bei nur 73. Zur Vermeidung einer Epidemie bedürfe es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO jedoch 95 Prozent.

Premierminister Tony Blair versuchte im Evening Standard zu beruhigen: Die Dreifachimpfung sei sicher, er selbst habe seinen Sohn Leo erst kürzlich mit dem Vakzin immunisieren lassen. Dennoch liefen nach britischen Medienberichten die Telefone bei Ärzten heiß, Tausende besorgte Eltern sollen sich nach dem Einzelimpfstoff erkundigt haben. Der ist jedoch aufgrund der gestiegenen Nachfrage bereits verspritzt worden; und mit Nachschub sei laut der einzigen von der Regierung für den Import autorisierten Firma frühestens in sechs Wochen zu rechnen.

Weltweit erkranken jährlich etwa 30 Millionen Kinder an Masern, rund eine Million von ihnen stirbt daran. (fei, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 2. 2002)

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