Kreml hofft auf Abrüstungsvertrag

7. Februar 2002, 19:27
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Doch Skepsis trotz Powells Zusage

In Moskau herrscht Genugtuung über die Ankündigung von US-Außenminister Colin Powell, die von den Präsidenten George W. Bush und Wladimir Putin vereinbarte Reduktion von Atomwaffen schriftlich festzulegen. Der Kreml hofft, dass beim nächsten amerikanisch-russischen Gipfeltreffen im Mai in Moskau bereits ein entsprechendes Dokument unterzeichnet werden kann.

Die USA haben im November angekündigt, ihre atomaren Sprengköpfe von derzeit etwa 6000 auf 2200 bis 1700 zu reduzieren. Russland seinerseits drängt schon lange auf eine Reduktion auf 1500 Sprengköpfe. Während Bush seine Zusage möglichst unverbindlich halten wollte, hatte Moskau von Anfang an auf einem verbindlichen Vertrag bestanden. Dieses Ziel scheint Russland nun erreicht zu haben, doch bleiben viele Fragen offen. So ist beispielsweise noch auszuhandeln, ob ein Vertrag geschlossen oder ein weniger formales Dokument verfasst wird und ob Kontrollmechanismen festgeschrieben werden.

Manche russische Experten zweifeln noch immer am Willen der USA, ihr Versprechen schriftlich zu geben. In Moskau fragt man sich, wie weit Powell nur für sich selber sprach. Russland hat bereits mehrmals die Erfahrung gemacht, dass sich Powell kompromissbereit gab, dann aber etwa von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gebremst wurde.

Und da ist noch etwas anderes, das in Moskau für Misstrauen sorgt: Washington hat angekündigt, zumindest einen Teil der "abgerüsteten" Sprengköpfe nicht zu vernichten, sondern einzulagern. Dies würde es den USA erlauben, im Notfall ihre Atomrüstung in kürzester Zeit praktisch wieder auf den alten Stand zu bringen. (DER STANDARD, Printausgabe 8.2.2002)

Von STANDARD-Korrespondentin Zita Affentranger aus Moskau
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