Löwendiplomatie in Afghanistan

7. Februar 2002, 20:20
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China wirbt mit Tiergeschenk für sich

Peking lässt im Buhlen um die politische Gunst Afghanistans jetzt seine Löwen los. Auf die Nachricht vom Tod des mit 23 Jahren hochbetagten, zur afghanischen Legende gewordenen Löwen Marjan im Kabuler Zoo reagierten chinesische Zoos sofort. Ende Jänner versprach der Pekinger Badaling Wildtierpark den Afghanen Ersatz. Der Safaripark bei der Großen Mauer schenkte eines seiner Löwenbabys.

Solches Vorgehen kennt man von den einstigen Pandageschenken, mit denen sich Peking  Sympathien in den USA oder Deutschland erwarb. Der schnelle Schachzug, Löwen an Afghanistan zu verschenken, steht in der Tradition der Pekinger Panda-und Pingpongdiplomatie. China zieht derzeit alle Register, um Einfluss auf seinen Nachbarstaat ausüben zu können. Aus der Sicht Pekings haben die USA, Japan, Europa und Russland militärisch, wirtschaftlich und über den Hebel der Entwicklungshilfe ihren Fuß bereits viel zu tief nach Afghanistan und damit unmittelbar in Chinas Einflussgebiet hineinbekommen.

Auf der internationalen Geberkonferenz in Tokio hatte sich Peking mit seinen Hilfsversprechen an Kabul von 4,5 Millionen Dollar noch ins Hintertreffen gesetzt. Zwei Tage später griff Staatschef Jiang Zemin beim Pekingbesuch von Interimspräsident Hamid Karsai dann doch tief in die Tasche und besserte mit 150 Millionen US-Dollar nach. Es war die bisher größte Aufbauunterstützung, die China je vergeben hatte.

(DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2002)
STANDARD-Korrespondent Johnny Erling aus Peking
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    Der verstorbene Marjan...

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    ... bekommt einen Nachfolger aus China

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