Wahlvorschlag mit Lücken für den ORF

8. Februar 2002, 00:25
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Der Stiftungsrat des ORF wählt heute 13 Direktoren für Monika Lindners Führungsteam. Von den teils heftigen Querschüssen aus den Reihen der Freiheitlichen ließen sich die Mitglieder im Vorfeld nicht mehr wirklich beirren.

Gerhard Draxler klang über sein künftiges Betätigungsfeld schon am Vortag der Wahl ziemlich sicher: Er werde die "McDonaldisierung" der ORF-Information stoppen, wieder mehr Tiefe verordnen. Samt neuer Diskussionskultur. Heute soll der Stiftungsrat Draxler zum Informationsdirektor des ORF wählen, als Teil des Führungsteams von Monika Lindner.

Die neue Generalin des ORF hat vor allem auf Journalisten und Manager aus der Anstalt zurückgegriffen. Der Einzige von außen, der bestellt werden sollte, scheiterte am Gehaltsschema des ORF. Also muss der Küniglberg voraussichtlich bis Mitte März auf einen neuen Technischen Direktor warten.

Kritik an Provinzialisierung

Kritik an einer Provinzialisierung des ORF kam vom grünen Mediensprecher Stefan Schennach und zuvor schon von Stiftungsrat und Caritas-Chef Franz Küberl. Denn das Management rekrutiert die bisherige Landesintendantin von Niederösterreich vor allem aus dem der ORF-Landesstudios.

Bestellt werden auch neun Landesdirektoren: Während die ARD-Landesanstalten der ungleich größeren deutschen Bundesländer Berlin und Brandenburg demnächst zusammengelegt werden, fand eine Debatte über die Notwendigkeit von ORFs in jedem Bundesland nicht statt.

Konkurrent ATV

Dass parallel zur jüngsten ORF-Reform privates Fernsehen via Hausantenne erlaubt wurde, schafft auch für den Küniglberg neue Rahmenbedingungen: Konkurrent ATV hat gerade die Lizenz für österreichweites Senden über die Kabelnetze hinaus erhalten. Ein "paar Zuschauer" werde das den ORF schon kosten, meinte Helmut Thoma gerade bei einem Vortrag in Wien.

Thoma kommt "das nackte Grauen"

Dem Ex-RTL-Chef kommt zudem "das nackte Grauen ob der politischen Winkelzüge" um den ORF. Vor allem die FPÖ und ihr Klubchef Peter Westenthaler suchten zuletzt noch Druck zu machen. Laut Stiftungsräten wurde bis vor wenigen Tagen ein zentraler Direktorenposten für den FP-Parteifreund Christian Wehrschütz gefordert.

Gelassen kommentierte das Donnerstag ein bürgerlicher Stiftungsrat, der von einer breiten Mehrheit für Lindners Team ausging: Lege sich die FP im Stiftungsrat quer, müsse man ja auch nicht unbedingt Gerhard Draxler zum Infodirektor machen.

Spätestens ab Montag geht es um die nächsten Führungsebenen im ORF. (fid/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.2.2002)

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