"Was diesem Land fehlt, ist ein Kaiser!"

20. Februar 2002, 19:02
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Die deutsche Schauspielerin Martina Stilp im "erweiterten Wordrap" mit dieStandard.at

ÖsterreicherInnen

Wien

Wenn ich Österreicherinnen und Österreicher höre, habe ich noch immer so ein Gefühl von Fremdheit und Heimweh. Doch langsam fange ich an, ein Gespür für die österreichische Mentalität zu entwickeln. Als ich letztens im Kabarett war und das Publikum angeschaut habe, habe ich bemerkt, dass es sich kaum von dem in Bayern oder dem in der Oberpfalz unterscheidet. Sehr sauber alle, sehr viele Eheringe. Und hauptsächlich habe ich eben mit diesen Menschen Kontakt. So wie neulich auf einem Konzert der Wiener Symphoniker. Als ich den Stefaniensaal sah, habe ich mich an die österreichischen Spielfilme, die ich in meiner Kindheit gesehen hatte, erinnert, und plötzlich wurde mir klar, was diesem Land fehlt, was ihm wirklich fehlt, ist ein Kaiser!

Nestroy

Vitasek

Wenn man in einer Stadt einen Neuanfang macht, so wie wir im vorletzten Jahr, dann richtet man sich nach den „Geschmäckern“ eben genau dieser Stadt. Und das heißt in Graz: goutiert werden vor allem der geliebte Nestroy, der außergewöhnliche Schwab, der famose Bernhard. Aber auch die allseits bekannten Klassiker finden hier großen Zuspruch.

Kleindienst

Kenn ich nicht.

Hier ist einfach ein anderes Land, mit einer anderen Geschichte und auch einer anderen Mentalität. Ich fühle mich hier fremd. Und auch wenn mir hier sehr viel Freundlichkeit entgegenkommt, bleibe ich doch eine Fremde.

Schmäh

Witz

Wenn eine Theaterarbeit aus einer Wahrheit, einer Ehrlichkeit, aus einer guten Portion Bauch- und Kopfintelligenz heraus entsprungen ist, findet sie, so glaube ich, immer einen direkten Zugang in die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer. Egal ob diese alt oder jung sind.

Frauen

Ich könnte mich verlieren in den Gesichtern alter Frauen. Da ist es mir immer, als würde ich in die Endlosigkeit einer Vergangenheit getragen.

Erfolg

Einsamkeit

Wunschrolle

Lulu

Also ich glaube, was ich mit Matthias Fontheim in der Vorbereitungs- und Probezeit erarbeitet habe, ist etwas ganz Besonderes. Ich habe als Schauspielerin das Gefühl, die Zuschauerinnen und Zuschauer mit meinem Spiel zu beschenken. Mit meiner Freiheit, meiner Lust am Spielen, und mit Extreme berührenden Verlockungen meiner Seele.

Bei der letzten Vorstellung waren unglaublich viele Leute, und im Publikum saßen weißhaarige Männer und am Rang Schüler, also von Alter her, und die haben gegrölt.

Fauxpas

Glücklich ist wer frei davon.

Nackte Haut

Schön, sie zu streicheln.

Zukunft

Ich möchte wieder zurück nach Deutschland.

Traum

Eine Autorin/ein Autor schreibt ein Theaterstück nur für mich. Aber da möchte ich dann mindestens 20 Jahre älter sein ...

(e_mu)

Der alte Mann mit der jungen Frau
Grazer Schauspielhaus
Regie: Andreas Vitasek
Weitere Termine:
2., 16., 17., 26. März 2002
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