Kirch-Krise hat Folgen für Formel 1 und DFB-Bundesliga

10. Februar 2002, 23:33
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Weniger Geld aus dem Verkauf von TV-Rechten

Die finanzielle Krise der KirchGruppe hat Folgen für die deutsche Fußball-Bundesliga und auch die Formel 1. So müssen etwa die DFB-Profiklubs in Zukunft mit weniger Geld aus dem Verkauf der TV-Rechte rechnen. In der wichtigsten Motorsport-Serie gibt es einen verschärften Kurs der Automobil-Hersteller gegenüber dem angeschlagenen Medienunternehmen, das die Mehrheit an der Formel 1-Vermarktungsgesellschaft SLEC hält.

"Diese Summe ist nicht wieder zu erreichen"

Die deutsche Bundesliga bekommt bis 2004 von der KirchGruppe insgesamt 1,53 Milliarden Euro (21,1 Milliarden Schilling). "Ich glaube, diese Summe ist nicht wieder zu erreichen", sagte der für Sportrechte zuständige Kirch-Geschäftsführer Alexander Liegl. Schon die derzeitigen Rechte seien "wahnsinnig teuer" und nicht refinanzierbar. Auch ein eigener Bundesliga-Sender zur Steigerung der Einnahmen wird in der KirchGruppe für "unrealistisch" gehalten.

"Das kann nicht funktionieren, weil die Investitionen viel zu hoch sind", sagte Florian Nowosad, Geschäftsführer der Kirch-Produktionsfirma Plazamedia. In der Deutschen Fußball-Liga (DFL) wird an entsprechenden Plänen gearbeitet, vor allem weil Kirch mit Premiere World der Pay-TV-Monopolist ist. Bis 2004 könnte allerdings angesichts der Kirch-Krise, die vor allem durch das Milliarden-Minus bei Premiere World entstanden ist, und des geplanten Einstiegs ausländischer Medienunternehmen wie Murdochs News Corp. oder Liberty die Wettbewerbssituation völlig anders aussehen.

Machtkampf Formel 1

Hinsichtlich der Formel 1 zeichnet sich ein Machtkampf ab. Daimler-Chrysler-Vorstand Jürgen Hubbert sagte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Die fünf in der Formel 1 engagierten Hersteller BMW, Daimler-Chrysler, Fiat, Ford und Renault haben von der KirchGruppe vor einiger Zeit Vorschläge für die Zusammenarbeit mit der Formel-1-Vermarktungsgesellschaft SLEC erhalten, die sie nach ausführlicher interner Diskussion nicht für zielführend erachtet haben." Die Hersteller drohen mit der eigenen Serie Grand Prix World Championship. Bis 2007 sind sie allerdings durch das so genannte Concorde-Abkommen an SLEC gebunden.

Angesichts der Kirch-Krise scheint nun aber auch eine vorzeitige Machtübernahme möglich. Die Kalkulation: Je mehr das angeschlagene Medienunternehmen unter Druck gerät, desto niedriger wird der Preis. Vor diesem Hintergrund macht es für die Automobilhersteller Sinn, wenn Daimler-Chrysler-Vorstand Hubbert sagt, es gebe aktuell keinen Grund für Gespräche mit der Kirch-Gruppe. (APA/dpa)

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