Anlegerschützer prüfen Klage wegen Prospekthaftung

7. Februar 2002, 15:25
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Rasinger: Juristisches Neuland - Vorstand, Wirtschaftsprüfer und Bank im Visier

Wien - Nachdem die Sonderprüfung über die Libor AG zum Teil große Mängel im Rechnungswesen der im Vorjahr in den Ausgleich geschlitterten Libro ergeben hat, wollen nun Kleinaktionäre ein gerichtliches Nachspiel. "Wenn ich auch nur ein bisschen mehr als den Funken einer Chance sehe, werden wir das Instrument der Prospekthaftung zum ersten Mal schlagend machen", kündigte Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger an. Rechtsanwalt Wolfgang Leitner, der ebenfalls Kleinanlegerinteressen vertritt, hat bereits angekündigt, in einer gemeinsamen Plattform mit Rasinger diese Möglichkeit prüfen zu wollen.

Ins Visier einer solchen Klage kämen vor allem die beiden Ex-Vorstände Andre Rettberg und Johann Knöbl namens der Libro AG als Emittentin, sowie die Wirtschaftsprüfer von Auditor (Arthur Andersen), die den Börsenprospekt abgesegnet haben ebenso wie die KPMG und die RZB, wobei letztere allerdings jeweils nur für Teilbereiche des Prospekts (KPMG für Rechnungsüberleitung, RZB als Prospektkontrollor für Vollständigkeit) verantwortlich zeichneten. Man beschreite aber hier "juristisches Neuland", räumt Rasinger ein.

"Gesellschaft war ärmer als erlaubt"

Im Kern der Übelegungen steht nach wie vor die umstrittene Sonderdividende von 440 Mill. S, die vor dem Börsegang - indirekt über eine Holding - an die früheren Aktionäre, darunter die UIAG und das Management ausgeschüttet und im Prospekt "nicht sehr auffällig" (Rasinger) angeführt wurde. "Die Dividende basierte nicht auf einem Gewinn, sondern einem Aufwertungseffekt (der Deutschlandtochter, Anm.), der damals so nicht hätte passieren dürfen", so Rasinger. "Die Gesellschaft war zum Zeitpunkt des Börsegangs um 109,1 Mill. S (7,93 Mill. Euro) ärmer als sie hätte sein dürfen", pflichtet ihm Leitner bei. Zu diesem Schluss kommt Ex-Finanzminister Andreas Staribacher als Gutachter. Laut Rasinger hätte außerdem unter den Risikofaktoren im Börseprospekt auch das fehlen eines Kontrollsystems bei Libro angeführt werden müssen.

Die zuletzt ergangenen Urteile in Zusammenhang mit Bankenhaftungen, die eine stärkere Verantwortung der Wirtschaftsprüfer ergaben, stimmen Rasinger optimisitisch. "Das Timing hätte nicht besser geplant werden können", so der Aktionärsvertreter. Die Entscheidung über eine Klage werde "rund um die ordentliche Hauptversammlung" fallen, die voraussichtlich im März bzw. spätestens Anfang April stattfinden wird. "Bis zum 1. Schilling Schadenersatz ist es noch ein weiter Weg", so Rasinger.(APA)

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