Mastertalk buhlt um "Adonis"

7. Februar 2002, 19:52
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Angst vor Klage geht um - Ausschreibung schränkt Benutzerkreis dramatisch ein

Wien - Dem Polizei- und Blaulicht-Funknetz "Adonis" droht schon vor dem Start Ungemach. Denn die Ausschreibung ermöglicht zwar prinzipiell das Betreiben von kommerziellen Diensten außerhalb des Sicherheitsauftrags, sie schränkt den adressierten Benutzerkreis aber gleichzeitig dramatisch ein. "Das schließt sich wirtschaftlich aus", sagte Siemens-Vorstand Franz Geiger am Donnerstag.

"Ein reines Exekutiv-Funknetz ist Nonsens", denn die kommerziellen Dienste - etwa für Logistikunternehmen und Energieversorger - könnten auf einer eigenen Frequenz funken, meinte Geiger. Im Anlassfall würden sie dann mit Rettung und Feuerwehr zusammengeschaltet, führte Mastertalk-Geschäftsführer Gottfried Sommerauer aus. Mastertalk gehört je zur Hälfte Siemens und Wienstrom und betreibt im Großraum Wien ein kommerzielles "Adonis"-Äquivalent.

Horrorszenario: Mastertalk könnte Entscheidung anfechten

Die drei Adonis-Anwärter - neben Mastertalk sind Walky Talky (Telekom Austria plus Wibag) und Tetratel (Austro Control, Kapsch und Motorola) im Rennen - betonen unisono: Allein mit Polizei, Gendarmerie und Bundesheer ist kein Geschäft zu machen. Denn die Investitionskosten belaufen sich auf rund 260 Mio. EURO (3,5 Mrd. S).

Im Innenministerium kursiert zudem ein weiteres Horrorszenario: Bekommen Walky Talky oder Tetracall den Zuschlag für Adonis inklusive Funklizenz für kommerzielle Dienste, könnte Mastertalk die Entscheidung anfechten. Denn die Siemens-Wienstrom-Allianz besitzt als einzige eine Tetra-Konzession für den Großraum Wien und hat dafür vor zwei Jahren 5,08 Mio. EURO bezahlt. Walky Talky hingegen arbeitet im Burgenland mit Testfrequenzen. (ung, Der Standard, Printausgabe, 08.02.02)

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