Winterspeck

10. Februar 2002, 21:48
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+ + + PRO

Gerhard Plott

In unserer unregelmäßigen Serie über das Schöne am Mann beschäftigen wir uns heute mit der abdominalen Depotfettreserve. Nicht immer ist diesem Körperteil, umgangssprachlich oft als "Winterspeck" oder schlicht "Wampn" bezeichnet, wohlmeinende Resonanz beschieden. "Männer sind außen hart und innen ganz weich", sang beispielsweise der Deutsche Herbert Grönemeyer und betitelte diese fragwürdige Aussage frech "Männer".

Doch Grönemeyers Behauptungen sind leicht zu widerlegen. Tatsächlich berichten Frauen glaubwürdig, dass die meisten Männer außen weich und druckempfindlich sind, vor allem am Bauch und um die Hüften. Innen hingegen - hier irrt Grönemeyer erneut - neigt der Mann zu gewissen Verhärtungen, und wenn es sich dabei nur um die Leber handelt. Weiters wird dem Mann medial das Streben nach einem "Waschbrettbauch" zugeschrieben. Auch das kann so nicht stehen bleiben: Sogar die Großväter kannten die Segnungen einer Waschmaschine, man war stolz auf den Fortschritt. Das Waschbrett galt damals schon als hoffnungslos vorgestrig.

Wider die subkutane Ansammlung körpereigener Fettzellen wird auch oft der Wunsch nach einer "Bikinifigur" ins Spiel gebracht. Aber, Hand aufs Herz, welcher Herr trägt in Zeiten wie diesen einen zweiteiligen Badeanzug?

Abschließend müsste noch die Frage geklärt werden, wie man den "Winterspeck" über die warme Jahreszeit rettet. Doch das würde hier den Rahmen sprengen und sollte hinter zwei bis fünf Bieren besprochen werden.

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- - - CONTRA

Thomas Rottenberg

Bei B.s herrscht dicke Luft. Sehr dicke Luft. Schuld ist niemand. Falsch: Schuld ist das Wetter. Weil sich eine Warmfront nicht angranteln lässt, war rund um die B.s Ende Jänner nicht nur die Wärme, sondern auch die Dicke der Luft körperlich zu spüren: Knapp 20 Grad passen im Jänner nämlich (noch) nicht zur B.'schen Garderobe. Denn was B.s am Winter schätzen, sind die dicken Gewänder. Die verhüllen, bedecken und kaschieren so fein. B.s geben nämlich offen zu, sich an all den sympathischen Tieren anzulehnen, die sich für die Höhle Reserven anfressen. Und beim ersten Schneeglöckchensprießen abgemagert hervorkriechen, die Sonne anblinzeln und wieder zu leben beginnen. Einen ordentlichen Winterschlaf zu halten, hoffen B.s, würden sie schon noch lernen. Den termingerechten Fettabbau auch. Irgendwann.

Je weniger sich der Ausbruch der Warmzeit dann aber an den B.schen Wampenzyklus hält, umso schlechtere Stimmung ist angesagt. Und Stress. Weil B.s dann zu verbittert-verbiesterten Fettabbauern werden. Sicher: Die wahren Fettwülste sind im Kopf. Bloß: Damit sie dort nicht (also nirgendwo) sind, gehen B.s einen weiten Weg. Werden zu besessenen Gramm- und Kalorienzählern. In jeder Lebenslage - und damit völlig ungenießbar. Ich mag die B.s. Den Rest des Jahres über. Und weil die Option "es bleibt Winter" wenig sympathisch ist, muss er weg, der Speck. Nicht für die B.s. Für mich.

derStandard/rondo/8/2/02

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