"AKW-Normen in der EU durchsetzen"

7. Februar 2002, 19:59
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Finnlands Präsidentin Halonen unterstützt Wiens Sicherheitsvorstoß

Wien - Obwohl Finnlands Regierung den Bau eines fünften Atomkraftwerks anstrebt, sieht die finnische Präsidentin Tarja Halonen in der umstrittenen Frage der Kernenergie Gemeinsamkeiten mit Österreich: "Wir müssen in der EU sehr genaue Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke durchsetzen, die wirklich ausreichend sind. Und die gleichen Normen müssen auch in den Kandidatenländern Anwendung finden." Strengere Vorschriften als den EU-Mitgliedern dürften den Beitrittswerbern aber nicht auferlegt werden, sagte Halonen am Donnerstag in Wien nach einem Gespräch mit Bundespräsident Thomas Klestil.

Halonen spielte damit offenkundig auf die Debatte um das tschechische AKW Temelín an. Gegenüber österreichischen Journalisten hatte sie jüngst erklärt, Wien habe kein Recht, den EU-Beitritt eines Landes wegen dessen Energiepolitik zu blockieren. Klestil sagte dazu am Donnerstag, es sei das Recht jedes EU-Landes, die Kernenergiedebatte auf europäische Ebene zu bringen. Er halte es aber für ausgeschlossen, dass Österreich als einziges EU-Mitglied gegen die Aufnahme eines einzelnen Landes sei.

Übereinstimmung herrschte laut Klestil auch in der Sicherheitspolitik: Ein stabiles Europa sei nur möglich, wenn die europäische Zugehörigkeit Russlands berücksichtigt werde. Und: "Wir wünschen uns gemeinsam in der Zukunft eine multipolare Welt, in der neben der Weltmacht USA auch Europa, Russland, China und Japan ihre Rolle haben."

Tarja Halonen und ihr Gatte Pentti Arajärvi besuchten am Abend den Opernball. "Mit einem Augenzwinkern" hatte die Präsidentin dazu gemeint, als "Mädchen vom Land" sei sie sehr gespannt, was da auf sie zukomme. (jk)

(DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2002)
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