Das persönliche Herzinfarkt-Risiko bestimmen

8. Februar 2002, 10:49
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Wien - Ein Selbsttest zur Bestimmung der Gefahr, an einem Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken: Bei den österreichischen Allgemeinmedizinern können sich die Patienten jetzt mit einer Rechen-Scheibe "bewaffnen", um den Kampf gegen die größten Risikofaktoren für die Atherosklerose (Gefäßverkalkung) aufzunehmen.

"Das Risiko kann man senken. Es geht nicht darum, dass man bloß sieht, wie 'furchtbar' es bei einem selbst aussieht", erklärte Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder vom Institut für Sozialmedizin der Universität Wien am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die traurigen Daten:

Pro Jahr erliegen weiterhin rund 44.000 Menschen in Österreich Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel Infarkt und Schlaganfall. Das sind 52,5 Prozent aller Todesfälle. Im Vergleich zum EU-Durchschnitt sind die Alpenrepublikaner sogar etwas mehr gefährdet.

Anita Rieder: "Etwa einer von drei Männern erkrankt im Alter unter 60 an einem Herz-Kreislauf-Leiden. Bei den Frauen ist es eine von zehn." Letztere sind allerdings im Fall des Falles noch gefährdeter als die Männer. Besonders stark steigt das Risiko mit dem Eintritt in den Wechsel.

Die wichtigsten Faktoren:

Rauchen, überhöhte Cholesterinwerte (zu viel Gesamtcholesterin, zu viel "böses" LDL-Cholesterin, zu wenig "gutes" HDL, Cholesterin), erhöhte Triglycerid-Werte im Blut, Übergewicht, Bluthochdruck, zu wenig Bewegung, erhöhte Blutzuckerwerte (Diabetes bzw. Vorstadien) und vermehrte Anzeichen einer chronischen Entzündung im Blut (C-reaktives Protein).

Genau diese Werte kann man in einer von den Sozialmedizinern, der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und dem Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb entwickelten Rechenscheibe eintragen und schließlich sein Gefäßrisiko ablesen. - Als Stimulus zur "Besserung", was den eigenen Lebensstil angeht.

Ein Zurückdrängen der Risikofaktoren zahlt sich jedenfalls aus: Wer mit dem Rauchen aufhört, senkt die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden, um 50 Prozent. Ein Minus von fünf bis sechs mmHg an Blutdruck verringert das Risiko für einen Schlaganfall um 42 Prozent. Um zehn Prozent weniger Cholesterin reduziert die Gefahr eines tödlichen Infarkts um ein Zehntel. Die Einnahme von Cholesterin-senkenden Medikamenten (Statine) vermindert das Risiko für eine durch "Verkalkung" bedingte Herzkrankheit um 31 Prozent und die Gesamtsterblichkeit um 21 Prozent. Normalgewicht und regelmäßige Bewegung senken die Infarktgefahr ebenfalls um 50 Prozent.

Verschlechterung statt Verbesserung

Der Wiener Kardiologe Univ.-Prof. Dr. Heinz Weber, Vorstand der 5. Medizinischen Abteilung am Kaiser-Franz-Josef-Spital, betonte vor allem, dass trotz zum Teil stark gesunkener Todesraten von Patienten, die mit akuten Herz-Kreislauf-Leiden ins Spital eingeliefert werden, die Häufigkeit dieser Leiden eher noch zunehme. Besonders gefährdet seien die Frauen.

Freilich, eine Studie aus neun europäischen Ländern zeigte erst vor kurzem, dass sich das Risikoverhalten der Patienten mit koronarer Herzkrankheit (Angina pectoris, Herzinfarkt) in den vergangenen Jahren sogar noch eher verschlechtert hat. So rauchten 20,8 Prozent der Kranken, 32,8 Prozent hatten Übergewicht, 53,9 Prozent litten an Bluthochdruck, 58,8 Prozent hatten zu hohe Cholesterinwerte und 21,9 Prozent Diabetes. Nur bei den Blutfettwerten (Cholesterin) war es im Vergleich zu einer ähnlichen Studie einige Jahre zuvor zu einer deutlichen Verbesserung gekommen. Sonst hatten sich die negativen Lebensstil-Faktoren sogar noch eher verschlechtert. (APA)

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