Hitler aus Wachs zur Attacke frei?

7. Februar 2002, 13:22
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Bei Madame Tussaud's steht er wieder ohne Schutzhülle aus Glas - Spuck-, Nadel- und andere Attacken möglich

London - Nach 60 Jahren im Glaskasten ist die Wachsfigur von Adolf Hitler bei Madame Tussaud's in London ab Donnerstag in der Haupthalle erstmals ungeschützt zu sehen - und noch dazu direkt neben dem früheren britischen Kriegs-Premierminister Winston Churchill.

Der "Richtige Zusammenhang"

Das Museum begründete seine Entscheidung, den isolierten Standort Hitlers auf einem Treppenabsatz zu beenden, mit einer "radikalen Umstellung" der Figuren in der Haupthalle. "Es ist jetzt die Zeit gekommen, Hitler wieder in den richtigen Zusammenhang zu stellen - und zwar direkt Kopf-an-Kopf mit Churchill, der allen Widrigkeiten zum Trotz standhaft gegen ihn blieb", sagte Sprecherin Diane Moon.

Bespuckte Wachsfigur

Die 1933 erstmals aufgestellte lebensgroße Figur des Nazi-Führers war 1942 in Glas gehüllt worden, nachdem von Hass erfüllte BesucherInnen das Wachswerk regelmäßig bespuckten, mit den Füßen traten, mit Eiern bewarfen oder anderweitig zu zerstören suchten. Ein Angreifer, der einen Eimer Farbe über dem Wachs-Hitler ausgoss, dekorierte das Modell anschließend mit dem Titel "Massenmörder". Als entdeckt wurde, dass ein Unbekannter eine Reihe von Nadeln ins vermeintliche Herz der Wachsfigur gestochen hatte, wurde der Glaskastenschutz errichtet.

Die meisten Attacken

"Kein anderes unserer Werke ist so oft angegriffen worden wie Hitler", erläuterte Moon. Auch Terorristenführer Osama bin Laden und Iraks Saddam Hussein würden häufig Ziel von "Hass und Misshandlung", deren Ausmaß aber nicht mit den Attacken auf das Hitler-Modell zu vergleichen sei. Auch heute noch komme es vor, dass Besucher den Wachs-Hitler "noch regelmäßig bespucken", gestand sie. Die vom Glas befreite Figur, die jetzt wieder an ihrem Ursprungsort steht, habe die ersten Besucherrunden unbeschadet überstanden, sagte Moon. Allerdings werde in der kommenden Woche wegen Schulferien ein Riesenandrang erwartet, fügte sie warnend hinzu. (APA/dpa)

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