Wolf im Salzkammergut abgeschossen

11. Februar 2002, 20:34
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WWF fordert ordentliche Untersuchung - Bezirkshauptmann sieht "schuldbefreienden Irrtum"

Wien - Wie der WWF Österreich meldet, soll im Salzkammergut ein ein 50 Kilogramm schwerer ausgewachsener Wolf abgeschossen worden sein - der Vorfall ereignete sich demnach schon vor zwei Wochen. Die Umweltschutzorganisation, die für ein Wiederansiedeln des Wolfs in seinem alten alpinen Lebensraum plädiert, fordert nun ein ordentliches Verfahren: "Das Tier muss erstens beschlagnahmt und zweites der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden, nur so können wir feststellen wo der Wolf herkam," fordert Norbert Gerstl, WWF-Artenschutzexperte, "es dürfen auf keinen Fall Teile dieses Wolfes als Trophäe beim Schützen verbleiben."

Der Wolf gilt im Salzkammergut seit 1826 als ausgestorben, einzelne Tiere wurden bis 1882 in der Steiermark gesichtet. Seit dem gibt es nur mehr vereinzelte Migranten. Der WWF merkt dazu an: "Gerüchte, dass es Wölfe in Österreich gibt, gab es schon immer, vor allem aus der Steiermark. Aber es ist interessant, dass es diese Tiere immer durch ganz Österreich schaffen, bis sie in Oberösterreich abgeschossen werden, wie der letzte 1996 ..."

Bezirkshauptmann: "Schuldbefreiender Irrtum"

Der zuständige Bezirkshauptmann von Gmunden, Edgar Hörzing, berichtete Mittwochnachmittag, seine Behörde glaube den Angaben des Schützen, dass es sich um ein Versehen gehandelt habe, als er den Wolf erschossen hat. Der Kadaver des Tieres soll jedoch nach Meinung der Behörde nicht in privatem Besitz bleiben, sondern im öffentlichen Interesse wissenschaftlich ausgewertet werden. Dafür war zuvor auch der WWF eingetreten.

Hörzing hielt fest, er wolle den endgültigen Ausgang des noch laufenden Verfahrens nicht vorwegnehmen. Doch nach der Einvernahme des Schützen, aber auch nach der Befragung von Fachleuten sei tatsächlich eine Verwechslung des Wolfes mit einem wildernden Hund anzunehmen. Weil die Wölfe ausgestorben seien, habe die Jägerschaft keine Erfahrung mit dieser Tierart. So könne sie auch nicht unterscheiden, dass Wölfe ihre Beute anders reißen als Hunde. Für den Berufsjäger sei somit vermutlich ein "schuldbefreiender Irrtum" anzunehmen.

Der Tierpräparator, in dessen Tiefkühltruhe die Überreste des Wolfes derzeit ruhen, sei angewiesen worden, sie weiter aufzubewahren und sie noch nicht zu präparieren, berichtete Hörzing. Der WWF sei aufgefordert worden, das wissenschaftliche Interesse für das Tier schriftlich anzumelden. Die vom WWF verlangte Klärung der Frage, woher der Wolf gekommen sei, läge durchaus im öffentlichen Interesse. Zumindest sollte der Wolf aber letztlich in einem allgemein zugänglichen Jagdmuseum landen und nicht als Trophäe im privaten Bereich verbleiben, beabsichtigt der Bezirkshauptmann. (APA/red)

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