Erste Anzeichen für Konjunkturerholung

7. Februar 2002, 11:26
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Wifo: Keine Aufhellung im Bausektor - Lage am Arbeitsmarkt weiter besorgniserregend

Wien - Für die Industriekonjunktur in Österreich gibt es erste Anzeichen für eine Erholung. Die Produktionserwartungen der Sachgütererzeuger, die sich seit dem 2. Quartal 2000 kontinuierlich verschlechtert haben, weisen für das laufende 1. Quartal 2002 nun erstmals wieder einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorquartal auf. Dies gab das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Donnerstag unter Hinweis auf Firmenbefragungen bekannt.

Die Lage am heimischen Arbeitsmarkt bleibe jedoch besorgniserregend. Der Verlust an Arbeitsplätzen beschleunige sich. Wie das Wifo berichtet, seien die Arbeitsplatzverluste in der Bauwirtschaft, in Industriebranchen wie Textil, Bekleidung, Holz, Papier und Möbel sowie bei Verkehrs- und Telekom-Unternehmen und im öffentlichen Dienst besonders hoch. Seit Mai 2001 steige die Arbeitslosigkeit. Im Jänner 2002 lag sie mit fast 300.000 Arbeitslosen um rund 40.000 markant über dem Vorjahresniveau.

Unternehmen im Basissektor und zuversichtlicher

Nach Angaben des Wifo sind die Unternehmen im Basissektor und in der technischen Verarbeitung zwar zuversichtlicher, und dies decke sich auch mit der Verbesserung der Stimmungsindikatoren in den USA und der EU. Die Bauzulieferer und Hersteller traditioneller Konsumgüter hingegen rechnen noch mit keiner Aufwärtsentwicklung. Gerade für die Bauwirtschaft zeichne sich vorerst keine Aufhellung ab, jedoch sei die Auftragslage im Tiefbau deutlich günstiger als im Hochbau.

Während in Österreich Sachgütererzeugung und Export im vergangenen Herbst 2001 noch unter der Konjunkturschwäche litten, verzeichnete der Tourismus nach der erfolgreichen Sommersaison auch zu Beginn des Winters markante Zuwächse: Die Umsätze übertrafen das Vorjahresniveau im November und Dezember um gut 7 Prozent, die Nächtigungen legten um 5 Prozent zu. Schwach zeigt sich hingegen die Binnennachfrage. Die Einzelhandelsumsätze gingen preisbereinigt im dritten Quartal und im November um 1,5 Prozent zurück. Ungünstig entwickelt sich dabei die Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern, vor allem nach Kraftfahrzeugen.

Der nominelle Produktionswert der Bauwirtschaft blieb im September um 7 Prozent unter dem Vorjahr. Dies, so kommentiert das Wifo, schlage sich in einem Einbruch der Baubeschäftigung und einem empfindlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit nieder, der sich in den Wintermonaten beschleunigt habe. Für den Tiefbau erwartet das Wifo wegen der für heuer geplanten deutlich höheren Infrastrukturausgaben im heurigen Jahr eine Erholung, im Hochbau sei angesichts der Sättigung im Wohnungs- und Bürobereich mit keiner Entlastung zu rechnen. Die Arbeitsmarktlage am Bau dürfte sich weiter verschlechtern.(APA)

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