100. Geburtstag des Transistor-Entdeckers Walter Houser Brattain

7. Februar 2002, 11:25
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1956 mit Physik-Nobelpreis ausgezeichnet

Es war ein kleines Ding mit großer Wirkung. Ursprünglich wollte der Physiker Walter Houser Brattain nach dem Zweiten Weltkrieg die Telefontechnik vereinfachen - und leitete schließlich mit der Entdeckung des Transistors eine Revolution in der Industriegeschichte ein. Arbeiten, die vor dem Transistor nur Computer in Hallengröße machen konnten, leisten heute mobile Geräte in Westentaschenformat. Am Sonntag, 10. Februar, hätte der "Vater des Transistors" seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Ersatz für mechanische Schalter gesucht

Brattain suchte am legendären "Bell Labs" in Murray (US- Bundesstaat New Jersey), der heutigen Forschungsabteilung Lucent Technologies, nach einem Ersatz für mechanische Schalter (Relais) in Telefonvermittlungsstellen. Während eines Experiments im Dezember 1947 bemerkte er, dass das Halbleitermaterial Germanium Elektrizität leitete, nachdem er es mit zwei nur minimal voneinander getrennten Kabeln verbunden hatte. Endlich hatte sich die jahrelange Grundlagenforschung ausgezahlt. "Eureka! Das Ding hat wieder Strom", rief er aus.

Klein, leicht, schnell und wenig störanfällig

Das Bell Lab hatte ein elektronisches Bauteil gefunden, das die bisherige Aufgabe einer mechanischen Elektronenröhre übernehmen konnte: Der Transistor war leicht, klein, schnell, wenig störanfällig - und verbrauchte viel weniger Energie als eine Verstärkerröhre. Für seine Entdeckung erhielt Brattain gemeinsam mit seinen Kollegen John Bardeen und William Shockley am 10. Dezember 1956 den Nobelpreis für Physik.

So rosig hatte es für den Doktor der Physik nicht immer ausgesehen. Es war sogar fraglich, ob er Teil des Forscherteams werden würde. Brattain war während der wirtschaftlichen Depression in den 30er Jahren der Nächste auf der Kündigungsliste, sollte sich die Situation weiter verschlechtern. 1937 schaute er bei der Nobelpreisverleihung seines Kollegen am Bell Lab, Clinton J. Davisson, nur zu. Der damalige Preisträger war jedoch optimistischer. "Mach dir keine Sorgen, Walter, du wirst eines Tages auch einen bekommen", sagte Davisson.

Einsatz in der Telekommunikation

Erstmals kommerziell zum Einsatz kam der Transistor wie ursprünglich vorgesehen in der Telefontechnik. In den 50er Jahren stellten Firmen wie Siemens und IBM die ersten Computer vor, die ausschließlich mit Transistoren arbeiteten. Die Elektronenröhre hatte ausgedient. Die damaligen Maschinen arbeiteten mit 2.000 Transistoren, Computerprozessoren heute mit 55 Millionen.

Heute allgegenwärtig

Die kleinen Bauteile sind heute allgegenwärtig - in der Kaffeemaschine, der Musikanlage oder dem Antiblockiersystem des Autos. Besonders stolz machte Brattain das Transistorradio. "Das hat es möglich gemacht, selbst für die Menschen mit den wenigsten Privilegien, Radio zu hören", sagte er - unabhängig von Ort, Zeit und politischem System. An lauten Rock 'n' Roll habe er sich aber nie gewöhnen können.

Walter Brattain wurde am 10. Februar 1902 in China als Sohn eines US-Lehrers geboren und wuchs im US-Bundesstaat Washington auf. Seine Dissertation schrieb er an der Universität von Minnesota. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete der Physiker an der magnetischen Ortung von Unterwasser-Booten an der Columbia-Universität. Er lehrte als Gastdozent unter anderem an der Harvard-Universität. Brattain starb 85-jährig in einem Altersheim in Seattle (US-Bundesstaat Washington).(Von Miriam Tang/dpa/APA)

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