Schriftsteller Hermann Kant würdigt Manfred Krug

7. Februar 2002, 09:27
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"Er war ein würdiger Widerpart"

Berlin - Der Schriftsteller Hermann Kant hat den Schauspieler Manfred Krug als würdigen Widerpart bei den früheren Auseinandersetzungen in der DDR gewürdigt. Der heute 75-jährige Kant ("Die Aula") war früher auch einflussreicher Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes und Mitglied des SED-Zentralkomitees. Krug, der am Freitag seinen 65. Geburtstag feiert, war Mitinitiator der Proteste gegen die Biermann-Ausbürgerung 1976, in deren Folge er die DDR schließlich verließ.

Krug habe Popularität für Ausreise-Antrag aufs Spiel gesetzt

Als Krug in den Westen gegangen sei, habe er keine Straße mehr mit ihm teilen wollen, "aber zugetan war ich dem Schauspieler durchaus", sagte Kant in einem Beitrag für die "Märkische Allgemeine" (Donnerstagausgabe). "Er war nach allem, was man hörte, eine ehrliche Haut... Was anderen der Parteiauftrag war, ist ihm der Honorarvertrag gewesen." Krug habe sein Talent zu Markte getragen. Seine hochgradige Popularität in der DDR habe Krug aufs Spiel gesetzt, als er den Ausreise-Antrag stellte, meinte Kant.

"Er hat sich in den Kämpfen unserer Zeit, wie wir die neunmalklugen zweimaldeutschen Händel nannten, als ein Widerpart erwiesen, dessen man sich nicht zu schämen braucht." Über jene Jahre habe Krug ein Buch geschrieben ("Abgehauen"), "unter dem ich mich beim Lesen betroffen krümmte". Ende Februar erscheint nach Angaben der Zeitung im Berliner Aufbau Verlag Kants neuer Roman mit dem Titel "Okarina". (APA)

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