Duisenberg tritt im Juli 2003 zurück

7. Februar 2002, 15:08
posten

EZB-Chef löst damit sein Versprechen ein - Spekulationen um Nachfolge halten an

Wien/Brüssel/Frankfurt/Paris/Rom - Der erste Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, wird fast drei Jahre vor Ablauf seiner Amtszeit zurücktreten. Wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt am Main bekannt gab, gibt der oberste Euro-Hüter seinen Posten am 9. Juli 2003 ab, seinem 68. Geburtstag. Der Nachfolger steht offiziell noch nicht fest; die Franzosen wollen ihren Notenbankchef Jean-Claude Trichet ins Rennen schicken. Trichet droht eine Anklage im der Affäre um die Pariser Großbank Credit Lyonnais.

Der aus den Niederlanden stammende Willem Frederik Duisenberg hatte bereits bei seinem Amtsantritt 1998 erklärt, dass er auf Grund seines Alters nicht die volle Amtszeit von acht Jahren an der Spitze der Zentralbank bleiben wolle. Seine jetzige Entscheidung sei vor diesem Hintergrund zu sehen, betonte die EZB nun. Der EZB-Rat ist am Donnerstag in Maastricht zu einer turnusmäßigen Sitzung zusammen getreten. In der niederländischen Stadt war von zehn Jahren der Vertrag über die Währungsunion besiegelt worden.

Rücktrittserklärung zur "Kenntnis genommen"

Die Europäische Kommission hat nach den Worten eines Sprechers die Rücktrittserklärung von Duisenberg zur "Kenntnis genommen". Zugleich ließ der Sprecher von EU-Währungskommissar Pedro Solbes durchblicken, dass die EU-Behörde die frühzeitige Ankündigung Duisenbergs für ehrenvoll hält. Duisenberg sei ein Mann, der seine persönliche Verpflichtung respektiere.

Die französische Notenbank hat einen Kommentar zum angekündigten Rücktritts Duisenbergs abgelehnt. Ein Sprecher der Notenbank wollte Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Notenbankchef Jean-Claude Trichet, der als aussichtsreichster Kandidat für die Duisenberg-Nachfolge gilt, hält sich derzeit anlässlich des auswärtigen EZB-Ratstreffens in Masstricht auf. Der französische Finanzminister Laurent Fabius hat den angekündigten Rücktritt gelassen kommentiert. Die Entscheidung des Niederländers, im Juli 2003 abzutreten, sei für ihn "keine Sensation", sagte Fabius in Paris. Zu möglichen Nachfolgern äußerte sich der Pariser Finanzminister nicht.

Neubesetzung muss "zu geeigneten Zeitpunkt" vereinbart werden

Nach Informationen aus Kreisen des italienischen Finanzministeriums soll die Nachfolge gemeinsam von den Regierungen der Euro-Zone getroffen werden. Die Neubesetzung müsse "zu einem geeigneten Zeitpunkt" vereinbart werden. "Duisenberg hat eine persönliche Entscheidung getroffen und dies muss respektiert werden."

Das deutsche Bundesfinanzministerium würdigte den angekündigten Rücktritt als Duisenbergs "persönliche Entscheidung, die man respektieren muss". "Wir kommentieren sie nicht", sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Zu möglichen Nachfolgern wollte er sich nicht äußern: Diese Frage "diskutieren wir nicht in der Öffentlichkeit."

Spekulationen

Um die Spitze der EZB hatte es in den vergangenen Wochen vermehrt Spekulationen gegeben, weil Duisenbergs aus Frankreich stammender Vize Christian Noyer Ende Mai turnusgemäß ausscheidet. Dem Vernehmen nach bangt Paris, das ja bereits den Nachfolger Duisenbergs stellen will, in der Zwischenzeit um seine Position in Frankfurt. Das Pariser Finanzministerium bestätigte zuletzt seine Unterstützung für Trichets Kandidatur. Zugleich dementierte das Ministerium Gerüchte, wonach Noyer für die Nachfolge ins Gespräch gebracht werden solle.

Damit nicht die gesamten Führung der EZB auf einmal ausgewechselt wird, hatten die Mitglieder des ersten EZB-Direktoriums unterschiedlich lange Amtszeiten erhalten: Die Finnin Sirkka Hämäläinen räumt ihren Platz im kommenden Jahr, der Italiener Tomasso Padoa Schiopa und der Spanier Domingo Solans zwei Jahre später. Neben Duisenberg hat im ersten Direktorium der Zentralbank nur der Deutsche Otmar Issing eine volle Amtszeit von acht Jahren. Er ist EZB-Chefvolkswirt.(APA/vwd/Reuters)

Share if you care.