Mr. Saubermann

7. Februar 2002, 16:21
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Erfinder und Designer James Dyson war auf Stippvisite in Wien und erzählte euphorisch seine Erfolgsgeschichte im Dienste der Sauberkeit

Grinsend sitzt James Dyson auf der Couch der Presidential Suite des Hotel Hilton. Neben ihm macht, gleich einem Schoßhündchen, einer seiner Staubsauger Platz. Würde dieser Mann an der Haustür klingeln, in der Absicht den Staubsauger zu verscherbeln, man käme bestimmt in Versuchung, das Börserl zu zücken, um dem netten Mann sein Geld zu geben. Der 54-jährige Dyson hat es aber nicht nötig, von Tür zu Tür zu wandern, auch nicht einer seiner 2000 Mitarbeiter.

Längst verkaufen sich seine spacigen Staubschlucker so gut wie von selbst, angeblich schlagen 69 Prozent der Kundschaft aufgrund von Mundpropaganda zu. Ungefähr 350 Millionen Euro setzte das Unternehmen Dyson International im Jahre 2000 um. Mehr als vier Millionen seiner Geräte fressen mit ungezügeltem Appetit Staub auf der ganzen Welt. Bis sich dieser Erfolg einstellte, fraßen unzählige Testgeräte ganze Berge von Staub.

5127 Prototypen baute der Brite zwischen 1979 und 1984 nach dem von ihm erdachten Zyklon-Prinzip. Und das, obwohl er folgende Worte nicht nur einmal zu Ohren bekam: "Aber James, wenn es eine bessere Möglichkeit gäbe, Staub zu saugen, Hoover oder Electrolux hätten sie längst gefunden." Bevor er Hand an den ersten Prototypen legte, entwickelte der Absolvent des Londoner Royal College of Art ein Küstenmotorschiff und erfand eine preisgekrönte Schubkarre, die anstatt über ein Rad über einen Ball des Weges holpert. Irgendwann nach Feierabend saugte Mr. Dyson Staub in seiner Wohnung und war - man kennt diesen frustrierenden Augenblick - enttäuscht vom Nachlassen der Saugfreude des Gerätes. Und da war's um Dyson geschehen. Fortan stellte er sich in den Dienst der Schmutzfresser und begann zu tüfteln. "Im Sack" so der per Eigendefinition gar nicht penible Erfinder "liegt der Hund begraben". Doch wohin mit dem Staub, wenn nicht in den Sack? In den Wirbelsturm. Und das geht so: Abgesehen vom fröhlich bunten Äußeren der Dyson-Sauger liegt ihre Besonderheit im bereits erwähnten Zyklon-Prinzip. Zwei putzige, künstliche Wirbelstürme schleudern den angesaugten Schmutz mit beeindruckenden 1300 km/h aus der Luft in einen durchsichtigen Auffangbehälter. Laut Dyson saugen seine Geräte, zum Beispiel der "DC05" immer volle Pulle, also ohne Saugkraftverlust. Bis ihm das Hausfrauen wie Hausmänner aus aller Welt glaubten, sollte aber noch eine ganze Menge Staub durch deren Wohnungen rieseln. Derweilen kreiste über Dyson der Pleitegeier.

Erst 1993 erfolgt die Produkteinführung seines ersten Saugers in England, bereits zwei Jahre später ist er der bestverkaufte Staubsauger im Land und lässt andere Saubermacher alt aussehen. Es ist schwer zu erraten, wie oft James Dyson seine Erfolgsgeschichte schon erzählt hat, doch man hat das Gefühl, er tut's immer wieder gerne.

Sein zweiter Streich erfolgte ebenfalls im Dienste des großen Reinemachens. Diesmal kam die Waschmaschine unter Dysons Erfinderlupe und rotiert nach jahrelanger Entwicklungsarbeit fortan mit zwei Trommeln, die sich in entgegengesetzter Richtung drehen. Das Prinzip beruht theoretisch auf der Technik des Waschens mit der Hand. Die Effizienz dieser Waschweise liegt unter anderem im Drehen und Wenden der Schmutzwäsche, ein Vorteil, der einer Trommel, die sich in eine Richtung dreht, versagt bleibt.

Ob er sich nie danach sehnte, ein etwas glamouröseres Objekt zu designen, vielleicht ein schickes Handy oder ein schnittiges Flugzeug wie Kollege Marc Newson es tat? "Keine Zeit" meint der Brite, dessen Objekte in jedem namhaften Designmuseum rund um den Globus zu finden sind. "Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich tue und sehe meine Arbeit als Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist", erzählt er weiter. Vielleicht kommt ja bald das Dyson-Bügeleisen und auch der lautlose Staubsauger steht noch auf der langen Liste jener Dinge, die der Vorsitzende des British Design Museum erledigen will. "Eines Tages wird er da sein", ist sich der Erfinder ganz sicher.

Fragt man ihn nach seiner Autobiografie, die unter dem Titel "James Dyson - Against all odds" erschien, fasst er deren Inhalt wie folgt zusammen: "Es gibt keine Regel für die Arbeit als Designer oder für den Erfolg, aber wenn man mein Buch liest, kann man die Idee dahinter besser verstehen. Es ist kein Buch über Big Business, es ist ein Buch über das Leben. Das Wichtigste ist, nie aufzugeben, immer weiterzumachen und an sich zu glauben", lautet das Rezept Dysons, was wie der Refrain so vieler Erfolgsstorys klingt. "Was glauben Sie, was man über mich sagte, als ich begann, einen Staubsauger ohne Beutel und noch dazu mit durchsichtigem Auffangbehälter zu entwickeln? Man darf nicht zu viel über die Sache nachdenken, man muss sie einfach tun, auch wenn dich die anderen für verrückt erklären", so der hartnäckige Tüftler über den Beginn seiner Odyssee durch das Reich des Staubs.

Geht es nach Dyson, dessen Gerätschaften mit unzähligen Preisen überhäuft wurden, ist es der Designer, der sagt, wo's langgeht. "Der Kunde sagt ja nur, er hasse Staubsaugen oder Wäschewaschen. Er sagt nicht, er will einen Zyklon-Sauger. Außerdem glaube ich, will der User auch überrascht werden", so der Erfinder.

Staubsaugen könne man übrigens gar nicht genug. Nicht aus Gründen der Pingeligkeit, sondern im Dienste eines langen Lebens für den Teppich. Wasser und Schaum seien der Tod für jedes Gewebe. Ansonsten hat der Chairman von Dyson International keine Saubermann-Ratschläge parat. Aber immerhin greift er selbst ungefähr zweimal pro Woche zum Rohr, zum Zwecke der Forschung und weil's ihm "echt Spaß macht".

derStandard/rondo/8/2/02

von Michael Hausenblas

Infos: dyson.com
  • Artikelbild
    www.dyson.de
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    www.dyson.de
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