Sharon holt sich Abfuhr in Washington

8. Februar 2002, 15:15
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USA halten Kontakt zu Arafat aufrecht

Washington/Jerusalem - Israels Regierungschef Ariel Sharon ist offenkundig mit seinem Versuch gescheitert, die USA zur völligen Isolierung von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat zu bewegen. Präsident George W. Bush sagte nach einem Gespräch mit Sharon im Weißen Haus in Washington, die US-Regierung wolle weiter Druck auf Arafat ausüben, damit dieser entschlossener gegen extremistische Gruppen vorgehe. Kurz vor der Zusammenkunft hat US-Außenminister Colin Powell vor dem außenpolitischen Ausschuss des Repräsentantenhauses präzisiert, dass die Regierung nicht erwäge, den Kontakt zu Arafat abzubrechen.

Sharon: Arafat ist "Friedenshindernis"

Sharon wiederholte nach der Unterredung, Arafat sei ein "Friedenshindernis" und kein Verhandlungspartner für Israel mehr. Bush sagte, die USA würden den Druck auf Arafat fortsetzen, um ihn zu überzeugen, "dass er ernste, konkrete und reale Schritte unternimmt, um die terroristische Aktivität abzubauen". Der US-Präsident drückte zugleich seine Besorgnis über die Not der palästinensischen Bevölkerung aus, "der Mütter und Väter, die versuchen, ihre Kinder großzuziehen". Die US-Regierung habe in ihrem Haushaltsplan 300 Millionen Dollar für Hilfsprojekte vorgesehen.

Sharon versicherte, Israel fühle sich dem Frieden verpflichtet. "Ich glaube, am Ende des Prozesses wird es einen palästinensischen Staat geben." Für Verhandlungen sei Arafat aber kein Partner. Vor seinem Treffen mit Bush hatte sich der israelische Premier dafür ausgesprochen, dass andere palästinensische Verhandlungspartner gesucht werden sollten. Sharon war in der vergangenen Woche mit Parlamentspräsident Ahmed Korei (Abu Ala) und Arafats Stellvertreter Mahmud Abbas (Abu Mazen) zusammengetroffen. Arafat beschuldigte Israel, die beiden Sicherheitschefs im Gaza-Streifen und im Westjordanland, Mohammed Dahlan und Oberst Jibril Rajoub, bewusst als mögliche Nachfolger ins Spiel zu bringen, "weil sie wollen, dass ich sie feuere". Beide Männer stünden ihm aber "sehr nahe", sagte Arafat in Zeitungsinterviews. Dahlan und Rajoub sind wesentlich jünger als Abbas und Korei.

Unmut in den USA wegen israelischen Verbalattacken gegen Teheran

Für Ärger haben in der US-Regierung Sharons Forderungen nach einem Vorgehen gegen den Iran gesorgt. Nach israelischen Presseberichten haben hohe US-Regierungsvertreter ihren Unmut über die jüngsten israelischen Verbalattacken gegen Teheran ausgedrückt. Washington wünsche nicht, dass iranische Reaktionen provoziert würden, die für die USA "störend" wären, hieß es, nachdem Bushs Rede, in welcher er den Iran zur "Achse des Bösen" zählte, bereits wütende Reaktionen Teherans hervorgerufen hat.(APA/Reuters/AP)

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