Wiener Kinos: Constantin-Film will nun auch Metro und Gartenbau

6. Februar 2002, 19:41
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SP-Stadtrat kündigt wieder Kinohilfe an - Masseverwalter entscheidet

Wien - "Wir würden uns freuen." Mit diesem Satz umschrieb Christoph Papousek von der Constantin-Film am Dienstagabend im Depot bei einer Gesprächsrunde zur Wiener Kinosituation das Interesse seines Unternehmens, das Gartenbau- und das Metro-Kino zu übernehmen.

Vor dem Hintergrund des Konkurses der City Cinemas und der nunmehr ungewissen Zukunft von Traditionshäusern wie den beiden genannten (DER STANDARD berichtete), diskutierten neben Papousek Wiens SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, Viennale-Direktor Hans Hurch und Andreas Thiem vom Kinobetreiber kieft & kieft, moderiert von STANDARD-Kulturressortleiter Claus Philipp, etwaige Versäumnisse, drohende Monopolstellungen und mögliche Zukunftsmodelle für eine sich dramatisch verändernde Wiener Kinolandschaft.

Vor 15 Jahren etwa gab es in der Nachbarschaft des Depots, auf der Mariahilfer Straße dies- und jenseits des Gürtels, noch sieben Kinos. Vier (Maxim, Residenz, Club West und U3) wurden bis 1993 nach und nach geschlossen. Eines (Top-Kino) folgte im Vorjahr in den Zwangsruhestand. Und wenn sich für das Flotten-Kino, das nunmehr zur Konkursmasse der City Cinemas gehört, keine entsprechende Lösung findet, dann wird das Haydn-Kino auf einer von Wiens meist frequentierten Einkaufsstraßen bald ein einsames Lichtspieltheaterdasein fristen.

Wenn auch in der Inneren Stadt jetzt weitere Betriebe geschlossen würden, dann gäbe es, so Thiem, in drei Jahren möglicherweise dort gar keine Kinos mehr. Diese düstere Prognose wurde am Podium nicht geteilt. Die Constantin-Film betreibe mit spezieller Programmierung bereits erfolgreich fünf Innenstadt-Kinos, so Papousek. Nicht zuletzt damit würde sie sich auch für den Betrieb von Gartenbau und Metro empfehlen.

Kulturstadtrat Mailath-Pokorny bekräftigte neuerlich seine Bereitschaft, an der Erhaltung von Gartenbau, Metro und möglicherweise auch Flotten-Kino als "lebendige Kinos" mitzuwirken. Es gelte aber, Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. Darüber hinaus setze das Kulturamt ohnehin Maßnahmen wie die Kinoförderung. Und "sonstige Lenkungsmaßnahmen", wie etwa die Hintanhaltung weiterer Kinocenter-Neuplanungen seien durchaus vorstellbar.

Die von den Grünen geforderte Abschaffung der jetzt bestehenden Film-Prädikatisierung mit den daraus erwachsenden Vergünstigungen (Vergnügungssteuerbefreiung für prädikatisierte Blockbuster) sei ebenfalls zu erwägen. Formal entscheidet über die Zukunft der gefährdeten Kinos jedenfalls der Masseverwalter - und der befindet sich derzeit auf Urlaub.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 2. 2002)

Von
Isabella Reicher

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