Freiheit geht vor Sicherheit

6. Februar 2002, 19:31
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USA: Die Diskussion über Medien und Terror hält an

New York - In den amerikanischen Medien gibt es eine heftige interne Debatte über die Haltung zum Terror allgemein und zum Krieg gegen den Terror im Besonderen. Hauptvorwurf an die Adresse der Regierung Bush: Sie setze die Sicherheitsaspekte vor die Freiheit der Medien. So etwa sagt Lowell Bergman, Reporter von Frontline West: "Die haben in Washington die Zensur einführen wollen."

Auf dem Weltwirtschaftsforum im Hotel Waldorf Astoria wurde diese Haltung vor allem von Exponenten der Demokratischen Partei abgelehnt. Der Senator Christopher J. Dodd (Connecticut): "Der freie Zugang zu Informationen dient der nationalen Sicherheit mehr als jede Einschränkung."

Erstmals verteidigte ein hochrangiger Vertreter - nämlich Chefredakteur Ibrahim Helal - des arabischen TV-Kanals al-Jazeera, der im Golfstaat Qatar sein Hauptquartier hat, die politische Linie. Man habe den Angriff vom 11. September von Anfang an als "terroristische Attacke" bezeichnet. In den Talkshows über Nahost habe man im Vorjahr auf der Gästeliste 20 Prozent Israelis, elf Prozent Exponenten von Hamas und Djihad sowie 32 Prozent Leute aus dem Arafat-Lager gehabt. Das halte er für relativ ausgewogen.

Unter den amerikanischen Journalisten, die beim Weltwirtschaftsforum akkreditiert waren, werden immer noch die massiven Versuche der US-Regierung diskutiert, die Medien zur Selbstzensur zu bewegen. In den großen Networks sei das auch passiert, und die großen Zeitungen des Landes seien wochenlang auf einer Welle des Patriotismus geschwommen. Dazu Tim Glocer, derzeitiger Chef der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir operieren zwar hauptsächlich in den USA. Aber für uns gibt es keinen Unterschied zwischen der Zeit vor dem 11. September und danach. Aber vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass unsere Entscheidungszentrale in London sitzt." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 2. 2002)

Von Gerfried Sperl
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