Afghanistan will eigene Polizei und Armee aufbauen

6. Februar 2002, 19:14
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Regierungsbeamter: Lage in Provinzhauptstadt Gardes weiterhin unsicher

Kabul - Die afghanische Interims-Regierung hat sich für den Aufbau einer eigenen Armee und Polizeitruppe ausgesprochen. Nur so könnten Sicherheit und Stabilität in Afghanistan bewahrt werden, erklärte der Außenminister der Interims-Regierung, Abdullah Abdullah, am Mittwoch in Kabul. "Wir müssen ein langfristiges Sicherheitskonzept entwickeln. Dazu gehört auch die Errichtung unserer eigenen Armee und Polizei", sagte Abdullah. Die Übergangsregierung hat die Situation in der umkämpften ostafganischen Provinzhauptstadt Gardes offenbar weiter nicht im Griff, wie aus dem Umfeld der Regierung verlautete. Bei blutigen Gefechten waren dort vor einer Woche 50 Menschen ums Leben gekommen.

Ein hoher Regierungsbeamter, der anonym bleiben wollte, räumte zwar ein, dass ein neuer bewaffneter Konflikt in Gardes unter den örtlichen Machthabern zurzeit unwahrscheinlich sei. Bei den Verhandlungen seien aber höchstens partielle Fortschritte erzielt worden. Regierungschef Hamid Karsai hatte am Sonntag eine Kommission in die Krisenregion entsandt, die mit den verfeindeten Parteien eine Verhandlungslösung erarbeiten sollte. In Gardes streiten der von Kabul ernannte Provinzgouverneur Padjah Khan und der seit dem Abzug der Taliban dort herrschende Kriegsfürst Saif Ullah um die Herrschaft über die Provinz Paktia.

Abdullah betonte erneut, die Gefechte in Gardes seien ein "isoliertes Ereignis". Die Lage in Afghanistan sei weitgehend stabil. Doch auch in der Nachbarprovinz Khost bahnte sich nach Angaben des dortigen Rats der Stammesältesten ein Konflikt zwischen einem von Kabul benannten Gouverneur und einem lokalen Stammesfürsten an. (APA)

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