Wie man als Direktor in Not geraten kann

6. Februar 2002, 19:37
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Rechnungshof- Bericht über die Österreichische Galerie

Wien - Der Rechnungshof (RH) beweist mitunter Hartnäckigkeit: Seinem zum Teil vernichtenden Bericht über die Österreichische Galerie, publiziert im März 2000, ließ er im Mai des Vorjahrs eine zweite Überprüfung folgen. Um zu kontrollieren, inwieweit die Empfehlungen - z. B. die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung einzuhalten, Doppelinventarisierungen "umgehend" zu beseitigen und zwei gleichberechtigte Geschäftsführer zu installieren - umgesetzt wurden.

Die Ergebnisse liegen nun vor: DER STANDARD durfte den "Rohbericht", zu dem das Kulturministerium erst Stellung nehmen wird, einsehen. Zu den bereits bekannten Kritikpunkten gesellten sich neue hinzu. Und diese sind nicht minder massiv. Auch wenn Gerbert Frodl, nach wie vor alleinverantwortlicher Direktor des seit Anfang 2000 ausgegliederten Bundesmuseums, manchen Vorwurf zu entkräften vermag.

Bezüge verdoppelt

Um gleich bei Frodl zu bleiben: Für den RH war "nicht nachvollziehbar", warum dessen Bezüge mit 1. Jänner 2000 "verdoppelt" wurden, obwohl sich Umfang und Art der Tätigkeit "kaum" geändert hatten. Zudem bemängelt der RH, dass Frodl 1999 und 2000 eine weihnachtliche "Geldaushilfe" von 72,67 Euro (1000 Schilling) erhielt, die nur Personen gewährt werden sollte, die "unverschuldet in Not geraten sind". Laut Frodl hätten alle Beamte diesen Betrag erhalten, er bedauere den Automatismus: "Ich hab' das inzwischen abgeschafft." Die Höhe seines Gehalts (135.500 Euro) hätte das Finanzministerium vorgeschlagen.

Bezüglich des Sammlungsbestands bemerkte der RH, dass weiterhin 270 Werke - darunter die Schenkung des Modeschöpfers Paul Poiret mit Blättern von Egon Schiele - fehlen. Zudem gibt das Leopold-Museum im Internet als Provenienz des Schiele-Gemäldes Stadt Krems die Österreichische Galerie an. Dort aber gibt es keine Inventaraufzeichnungen über den Erwerb oder die Veräußerung. Frodl will bei Rudolf Leopold nachfragen, wie es zu dieser falschen Angabe gekommen sei.

Der RH kritisierte zudem, dass die Galerie 1999 und 2000 entgegen ihrem Auftrag kaum Kunstwerke ankaufte. Aus Vorsicht, meint Frodl. Letztes Jahr hingegen habe man ordentlich zugelangt: Die Neuerwerbungen werden ab 20. Februar zu sehen sein.

Nun zum Geschäftlichen. Die Galerie erhält von der Secession eine jährliche Leihgebühr von nur 12.354 Euro für das Beethovenfries von Gustav Klimt - obwohl durch die Eintrittsgelder gut 160.000 Euro in die Kassa des Künstlervereins fließen. Der Vertrag sei "ungünstig", so der RH. Er wurde im Kulturministerium ausverhandelt, kontert Frodl.

Weiters: Im ersten Jahr nach der Ausgliederung wurden die Prämien um das sechsfache angehoben. Frodl hält dagegen, dass der kaufmännische Leiter keine Überstunden vergütet bekommt, eine Prämie von 2907 Euro daher durchaus gerechtfertigt sei. Ungereimtheiten in der Buchführung (Rechnungen wurden mehrfach bezahlt, es fehlen exakte Aufzeichnungen über die Einnahmen) entschuldigte Frodl mit der Umstellung auf ein neues Computersystem.

Nun aber laufe alles "tipp-topp", so auch der Shop, der in den Jahren 1997 bis 1999 beträchtliche Defizite eingefahren haben soll, was Frodl in Abrede stellt. Dass die Einnahmen aus dem Audioguide-Verleih geringer sind als die entrichtete Linzenzgebühr für diesen, bestätigt er hingegen. Und dass manche Kataloge liegen bleiben, stimme leider: Von einem wurden nur zwei Prozent der Auflage verkauft, der Deckungsgrad betrug gerade einmal 1,1 Prozent!

Positiv vermerkte der RH, dass zwischen 1998 und 2000 nicht nur die Zahl der Besucher gestiegen ist (von 379.786 auf 496.649), sondern auch die Einnahmen pro Besucher (von 2,6 auf 5,2 Euro). Die Bilanz des Jahres 2000 geriet daher erfreulich: Prognostiziert wurde ein Gewinn von 50.870 Euro, tatsächlich betrug er 1,56 Millionen. Auch für 2001 erwartet sich Frodl ein positives Ergebnis. Auch wenn die Zahl der Besucher stark fiel - auf deren 352.772.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 2. 2002)

Von
Thomas Trenkler

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